»Hätten Sie denn nicht einfach Ihren Frack zuknöpfen können? Dann hätte man ja gar nicht gesehen, daß Sie die Weste nicht anhatten.«
»Goot! Sehr goot! Däse Bemerkong zeigt, daß Sä meine Mätteilongen einer denkenden Betrachtong onterzähen! Knebel! Schreiben Sä mal äns Tagebooch: ›Möricke wegen Aufmerksamkeit belobt.‹ … Haben Sä's, Knebel …? ›Wegen Aufmerksamkeit belobt.‹ … Was non dä Sache selber betrifft, so moß äch Ähnen bemerken, daß dä Verwärklächong Ährer an säch ja recht glöcklächen Idee aus dem zwängenden Gronde onmöglich war, weil der Frack noch aus der Zeit meines Staatsexamens herröhrte. Äch konnte denselben mät dem besten Wällen nächt zoknöpfen, denn als Kandädat war äch wesentläch schlanker. Doch wär wollen ons dorch däsen Zwäschenfall än onserer Lektöre nächt stören lassen. Äch fahre da fort, wo äch aufgehört habe.
›Am sechsten Mai. Mät dem französäschen Idiom gäng es mär gestern abend recht schlecht. Der Kellner wollte mäch absolot nächt verstehen; ond da er weder än der lateinäschen noch än der grächäschen Sprache dä erforderlächen Kenntnässe besaß, so bläb mer nächts öbrig, als meine Wönsche zo Papär zo brängen. Er las meine Sätze denn auch mät Leichtägkeit ab. Wahrlich, nämals hätte äch äm Traume gedacht, daß dä gewöhnläche französäsche Konversationssprache einem Manne von klassäscher Bäldong so schwer fallen könnte. Dä nasale Aussprache gewässer Sälben hat för mein Organ etwas Wäderstrebendes‹ … Hotzler, was lachen Sä?«
Der Schüler erhob sich.
»Ich … ich wollte nur …«
»Was wollten Sä?«
»Ich kann nicht begreifen, daß gerade Ihnen die nasale Aussprache Schwierigkeiten bereitet.«
»Wäso? Was wollen Sä damät sagen? Hören Sä mal, Hotzler, äch glaube, Sä brängen här nächt den gehörägen Ernst mät, wie er zor Sache erforderläch äst. Knebel, schreiben Sä mal äns Tagebooch: ›Hotzler wegen kändäschen, läppäschen Benehmens getadelt.‹ Zor Strafe lese äch Ähnen jetzt däse lehrreichen Bemerkongen öber dä französäsche Aussprache nächt weiter vor! Das haben Sä säch non selber zozoschreiben! Rompf, lassen Sä das Gewackel ond röcken Sä weiter nach rechts! Sä hocken dem Gäldemeister ja auf dem Leib wä eine Klette. Ond non kein Wort mehr!
›Paräs, am säbenten Mai. Gestern om halb elf Ohr gräff äch abermals zo Frack ond Zäländer, vergewässerte mäch zweimal, ob dä Weste an Ort ond Stelle sei, ond bestäg dann das Zweigespann Nommer 1313. Dä ominöse Zahl beröhrte mäch eigentömläch. Ein alter Römer wörde än gleicher Lage omgekehrt sein. Äch aber habe mäch stets von den Anwandlongen eines dorch nächts zo motävärenden Aberglaubens ferne gehalten. Äch erwähne den Omstand nor, weil der Eindrock, den er än mer hervorräf, för meine Stämmong charakterästäsch äst. Ebenso befremdete mäch än der Richelieu-Straße dä altklassäsche Änschrift eines Weinkellers: »Cave Richelieu«, eine Warnong, dä – fast an das beröhmte »Cave canem!« anklängend – einen alten Römer ebenfalls zor Vorsächt ermahnt hätte …‹«
Samuel Heinzerling hielt einen Augenblick inne.