»Luitgard, das ist wohl die Frau Direktorin?« fragte Möricke.

»Lassen Sä Ähre unnötägen Fragen! Äch habe keine Lost, Ähnen här meine Famälienverhältnisse auseinander zo setzen. Hören Sä weiter:

Also … ›sä könnte sonst glauben, äch wäre veronglöckt. Ond än der Tat, stand äch nächt heute bereits mät einem Fooße in Charons Nachen? Non, äch habe mer geschworen: kein Zweigespann mehr! Äch lese da eben än meinem Reisehandbooch, das ein sonst onbekannter Schräftsteller, namens Karl Bädeker, verfaßt hat, dä Omnäbosse seien bei weitem bälläger ond bequemer. Dä sogenannte Impériale – das Verdeck – scheint mer än der Tat ein äußerst gönstäger Platz, da man von dort einen freien Ombläck genäßt. Öbermorgen also mät erneuten Kräften ans Werk!

Meine Stodien liegen heute so zämläch brach. Dä Erschötterong än der Droschke hat mäch so verwärrt, daß äch keinen vernönftägen Gedanken zo fassen ämstande bän. Äch benotze daher, wä bereits oben bemerkt, däsen Änterämszostand zo einem Bräfe an meine Gattän.

Noch eines wäll äch erwähnen. Es äst mer vorhän aufgefallen, daß der Hausknecht eine korze Tonpfeife rauchte. Es scheint däs ein täf eingeworzelter französäscher Nationalgebrauch, während än Deutschland dä lange Pfeife vorherrscht. Obgleich nächt moderner Koltorhästoräker von Fach, pflege äch doch dä Länder ond ähre Sätten aufmerksam zo beobachten. Den Välgewandten nennt mäch Luitgarde oft scherzweise – ond än gewässem Sänne hat sä onstreitäg recht. Besser freiläch wörde sä sagen: der Välseitäge.

Doktor Mouchard war vor einer Stonde bei mer ond fragte mäch, wä mer der badäsche Gesandte gefallen habe. Äch erzählte ähm das erlättene Mäßgeschäck: der Mensch lachte mer laut äns Gesächt. Däse Franzosen sänd eine herzlose, egoästäsche Nation.

Mein Kollege Träuble, der Ordänarios von Quarta, wörde säch än gleichem Falle ganz anders benommen haben.

Am neunten Mai. Gestern om halb elf verläß äch mein Hotel, om den Omnäbos der Länie Clichy-Odéon abzupassen, der, wä der Hausknecht versächert, dächt an der rue de Berlin vorbei fährt. Der Omnäbos kam, ond da äch än der Gymnastäk zwar kein Koryphäe, aber ämmerhän ein ganz leidlächer Dälettant bän, so gelang es mär ohne Schwärägkeiten, dä treppenartäge Leiter, oder besser, dä leiterartäge Treppe, zor sogenannten Impériale hänan zo klämmen. Dä Höhe, än der äch mäch non befand, hatte zwar äm ersten Augenbläck etwas Beonrohigendes; bald ändes öberzeugte äch mäch von der Solädätät des Eisengeländers, – ond dä völläge Sorglosägkeit der öbrägen Passagäre trog dazo bei, mein Onbehagen völläg zo tälgen. So genoß äch denn än onbeschränktem Maße dä großartäge Aussächt auf das Treiben der Weltstadt. Än Betrachtongen der mannächfachsten Art versonken, hatte äch anfängläch nächt bemerkt, daß der Omnäbos, sobald ein Herr absteigen wollte, nächt anhält. Däse Röcksächt gält bloß för das zarte Geschlecht. Jetzt aber ward äch auf däsen Omstand aufmerksam, da mein Nachbar, ein Jöngläng aus dem Handwerkerstande, den Platz an meiner Seite verläß ond ohne dä gerängste Bangägkeit an dem rasch dahänrollenden Omnäbos hänonter kletterte. Zwei Sekonden später stand er wohlbehalten auf dem Trottoir ond gäng än das nächste Haus, als wäre nächts vorgefallen …

Mer ward mät jedem Augenbläck schwöler zomote. Das Hänanklämmen, zomal wenn der Omnäbos stand, läß säch ohne Möhe bewerkstellägen; aber hänonter, ond noch dazo röckwärts? Nonquam retrorsom! Das war von jeher mein Wahlsproch, – ond non sollte äch onter so wäderwärtägen Verhältnässen dem Grondsatze meiner Jogend ontreu werden? Ändes, was war zo machen? Dä Straße, än dä wär jetzt einfohren, war dä rue de Clichy … Äch sprach also: fortes fortona jovat ond gäng färmo constantäque anämo ans Werk. Zo Anfang schänen dä Götter mer gönstäg. Dä Treppe ward än korzer Zeit glöcklich zoröckgelegt, ond wohlbehalten langte äch auf der breiten Onterstäge an, von der äch nor herabsprängen moßte, om sägreich geborgen zo sein.

Mein Kollege Salzmann, der Physiker, hat mer oft auseinander gesetzt, daß onsere klassäsche Bäldung eine einseitäge, ädealästäsche sei ond zor Ergänzong einer realästäschen Hälfte – der Natorwässenschaften – bedörfe. Äch habe Salzmann oft einen Materialästen genannt ond ähn aus Plato ond der »Krätäk der reinen Vernonft« zo wäderlegen gesocht. Jetzt ändes erkenne äch, daß er nächt völlig äm Onrecht war. Hätte äch än meiner einseitägen, ädealästäschen Rächtong nächt öbersehen, daß ein Körper, der säch än Bewegong befändet, vermöge des Gesetzes der Trägheit än däser Bewegong verharrt, auch wenn dä causa movens zo wärken aufhört, – äch erännere mäch däses Lehrsatzes aus meiner Gymnasialzeit, – so wäre äch nächt beim Absprängen von der Omnäbosstäge langwegs än den Kot gefallen.