»Weißt du was, du kannst mir das Ding einmal vorlesen, dann werd' ich wohl so leidlich damit zu Stande kommen.«
»Wie Eure Majestät befehlen. Allein Sie erlauben, daß ich mich etwas näher zu Ihnen heransetze, um nicht genöthigt zu sein, allzusehr die Stimme zu erheben.«
»Gott, bist du heute ängstlich,« lachte der König. »Du hast wohl etwas Katzenjammer von gestern? Apropos, das Ballet war famos, ganz magnifique, auf Ehre. Ich hätte fast vergessen, dir mein Compliment zu machen.«
»Eure Majestät sind zu gütig. Wenn Sie gestatten, werde ich jetzt beginnen.«
»Nun denn, leg' los, alter Junge!«
Pigault-Lebrun setzte sich dicht an das Kopf-Ende des königlichen Bettes, entfaltete sein Manuscript und las mit flüsternder Stimme wie folgt:
»Mein Bruder Napoleon, Kaiser der Franzosen!«
»›Mein Bruder‹?« fragte der König. »Nicht ›mein erhabener Bruder‹? Das ist zu stark!«
»Sire,« entgegnete Pigault, »Ihre deutschen Unterthanen haben ein Sprüchwort, das zwar nicht hoffähig, aber sehr tiefsinnig und kernig ist. Das Sprüchwort heißt: ›Wurst wider Wurst‹. Verstehen Sie, was das sagen will?«
»So ziemlich. Aber ich finde …«