»Du hast schwer gebüßt, mein Freund,« flüsterte er niedergeschlagen; »aber auch mich traf ein trübes Verhängnis …«

»Ah, Sire, die achtundvierzig Stunden …?«

Der König schritt nach seinem Pulte und nahm ein rosenrothes Billet heraus.

»Da, lies!« sagte er. »Das schrieb mir die liebste, die reizendste, die treueste meiner Freundinnen am Tage nach deiner Verhaftung.«

Pigault las. Das Billet lautete:

»Sire,

Ich verlasse Sie und Ihr Land für immer. Ich habe mich aufs Kläglichste in Ihnen getäuscht. Wenn ich die Pflichten, die uns die Selbstachtung und die Rücksicht auf das öffentliche Urtheil auferlegt, mit Füßen trat; wenn ich bei einem Ihrer Höflinge Sclavendienste that: so geschah dies nur, weil ich Sie liebte – so wahr und glühend wie nur ein Weib zu lieben vermag! Dies Bekenntnis wird mich in Ihren Augen, wenn nicht rechtfertigen, so doch entschuldigen. Aber ich kannte Sie nicht. Ich hielt Sie für edel, für stolz, für ritterlich. Ich habe mich vom Gegentheil überzeugt. Ich verachte Sie.

Elise Heberti.«

Pigault-Lebrun versetzte kein Wort. Gesenkten Blickes gab er dem König das Schreiben zurück.

Jérôme schloß es wieder ein und sagte dann tonlos zu seinem Bibliothekar: