– – Jules Pierrot hatte bisher vergeblich auf eine günstige Gelegenheit zu der geplanten Doppel-Eroberung gelauert. Hundertmal fragte Goguenard, ob er noch nicht »marschiren« könne, und hundertmal erwiderte Jules achselzuckend: »Noch nicht, aber bald!«
Jetzt endlich schien der entscheidende Augenblick gekommen …
Es war am 29. September, Abends neun Uhr. Herr Clamard, der Bürgermeister, war in Amtsangelegenheiten nach St. Quentin gereist; sein Adjunkt lag an einem Bronchialkatarrh ernstlich darnieder; der Schreiber war bei dem Notar Brassou zur Kindtaufe geladen; und der Bureaudiener konnte als taub und altersschwach nicht in Betracht kommen. Die Haupt-Persönlichkeit, die bis zur Stunde die Pläne der Gressineter vereitelt hatte, Fanchon, die pflichttreue Köchin, war des Tags zuvor ihres Amtes entlassen worden. An ihrer Stelle figurirte jetzt eine alte Bäuerin, Namens Marguérite, die sich vermittelst eines Hundert-Sousstücks überreden ließ, die Schlüssel zum Hinterhofe herauszugeben und die Expedition Goguenards gewähren zu lassen.
Die Glocken von Clatou hatten also, wie gesagt, die neunte Abendstunde verkündigt. Die Einwohnerschaft des Städtchens dachte allmählich an's Schlafengehen. Die Nacht war düster und wolkig. Über der ganzen Landschaft lagerte es wie die Vorahnung bedeutsamer Ereignisse.
Da traten aus der Weinschenke des Bürgers Goguenard sieben Männer ins Freie.
Sie trugen blaue Blousen und niedrige Mützen mit kurzen Schildern aus grün lackirtem Leder. Ihre Züge athmeten eine unverkennbare Entschlossenheit.
Sie wandelten schweigend nach der »Gemeindewiese«. Dort angelangt machten sie Halt und schüttelten sich, wie zur Erneuerung eines brüderlichen Bundes, die Hände.
»Patrioten,« sagte Jules Pierrot, »ich überlasse euch jetzt dem Commando dieses trefflichen Weinwirths! Gressinet erwartet, daß Jedermann seine Pflicht thue!«
Ein beifälliges Murmeln flog durch die Reihen der Verschworenen.
»Ich gehe voran,« fuhr Pierrot fort, »und sorge dafür, daß ihr die Pforte offen findet. Nach gelungener That treffen wir uns wieder hier auf der Gemeindewiese!«