»So sei es!« flüsterten die entschlossenen Blousenmänner.

»Also auf Wiedersehn!«

Jules eilte hastig von dannen.

»Es ist noch früh,« sagte Goguenard, als der Handlungsdiener im Dunkel des Septembernebels verschwunden war. »Vor zehne dürfte es kaum rathsam erscheinen, ans Werk zu gehen.«

»Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf,« versetzte Croquepeu, »so würde ich vorschlagen, die Sache auf Mitternacht zu verschieben. Unserm Pierrot wird bei seiner Marion die Zeit wohl nicht allzu lang werden, – und übertriebene Vorsicht ist stets besser als Leichtsinn.«

»In der That,« meinte ein Anderer, »es wäre äußerst fatal, wenn wir vorzeitig entdeckt würden. Haben wir die Spritze nur einmal aus Clatou heraus, dann wollen wir schon dafür sorgen, daß sie den Clatounesen nicht wiederum in die Hände fällt. Aber ein ungelegener Allarm, ehe die Eroberung vollbracht ist, – und alles ist unwiderruflich verloren. Bedenkt, Brüder, was auf dem Spiele steht!«

Nach langem Hin- und Herreden wurde dieser Antrag genehmigt. Da man indeß keine Lust verspürte, die Geisterstunde unter freiem Himmel zu erwarten, so kehrte man in die Goguenard'sche Weinschenke zurück und becherte, bis die Kuckuksuhr über dem zinnbeschlagenen Ecktische elf rief. Dann begaben sich die Verschworenen in Goguenards Privatgemächer, um nicht die Aufmerksamkeit des von dem Clatouneser Maire besoldeten Polizeidieners zu erregen, und harrten daselbst unter begeisterten Gesprächen des ersehnten Glockenschlags.

Endlich! Zu je zweien schlichen sie über die Schwelle und eilten dann geräuschlos der Wiese zu … Croquepeu hatte diesen Modus befürwortet … Von der Wiese aus nahm Goguenard mit zwei handfesten Burschen die Richtung nach dem südlichen Thore von Clatou, wo die Mairie lag, während Croquepeu mit den Andern von Westen her operirte.

Alles ging nach Wunsch. Die Bürgerschaft von Clatou lag ahnungslos in den Federn. Die Straßen waren wie ausgestorben. Im Vorhofe der Mairie athmete keine Seele. Goguenard war mit den Seinen zuerst am Platze. Zwei Minuten später kam Croquepeu. Die Pforte nach dem Hinterhofe stand offen. Die Verschworenen drangen ein, packten die roth und blau lackirte Feuerspritze mit einem halb unterdrückten Jubelruf bei der Deichsel und zogen sie langsam ins Freie. Nach kurzer Frist war das südliche Thor erreicht. Niemand hatte den kühnen Griff der Gressineter bemerkt. Jetzt, im offenen Felde angelangt, setzte sich die Colonne in Trab. Etwa drei Minuten lang brauste die wilde Jagd durch die neblige Dämmerung dahin, – unheimlich, gespenstisch, wie eine Schaar von ruh'losen Geistern. Dann machten sie Halt.

»Triumph, Triumph!« jauchzte Croquepeu. »Nicht fünfzig Franken nähme ich für diese beseligende Wollust des Siegesbewußtseins!«