Der alte Schreiber.

Eine Studie nach der Natur.

Mein Onkel Feodor war Rechtsanwalt in einer mitteldeutschen Provinzialstadt. In den letzten Jahren seines Lebens, als die einst so blühende Advocatur merklich zur Neige ging, beschäftigte er einen Scribenten mit Namen Trendler. Ich weiß nicht, ob der würdige Federheld noch lebt. Sollte er indeß die folgenden Zeilen zu Gesicht bekommen, so wird er gewiß einem strebsamen Collegen, der bei seinen indiscreten Studien die edelsten Zwecke verfolgt, die scheinbare Profanation zu Gute halten und lächelnd vor sich hinmurmeln: »Ja, ja, das bin ich!«

Also in medias res!

Über den Dachfirsten der Provinzialstadt leuchtet ein kalter, klarer Wintermorgen. In den beschneiten Straßen erblickt man nur hin und wieder einen eilfertigen, theatralisch vermummten Barbier oder eine blaugefrorene Köchin.

Es schlägt neun. Mein Onkel sitzt bereits seit einer Stunde bei der Arbeit. Der lodernde Ofen verbreitet eine erquickliche Wärme. Die lange Pfeife läßt ihre blauen Rauchkringel, wie Opferdüfte, zur angegrauten Decke emporsteigen. Auf dem eichengeschnitzten Schreibtisch herrscht eine gemüthliche Unordnung. Da prangt die chemische Zündmaschine neben dem Petschaftkasten; die Wasserflasche neben dem gestickten Hauskäppchen; die goldene Repetiruhr neben dem bunten Fidibusbecher. Die halbgeleerte Tasse steht dem Arbeitenden zur Linken. Eifrig raschelt die Feder über das dicke Conceptpapier.