Da öffnet sich die Thüre. Ein röthliches Antlitz, dessen Züge etwas vom Geier haben, erscheint in der Spalte. Es ist Herr Trendler. Mit gekniffenen Äuglein mustert er das Zimmer. Dann tritt er zwei Schnitte vor und spricht mit klangloser Stimme:

»Guten Morgen, Herr Justizrath!«

Mein Onkel wendet den Kopf.

»Sie kommen wieder eine halbe Stunde zu spät, Trendler. Wie oft soll ich Ihnen sagen, daß ich die Pünktlichkeit liebe?«

»Entschuldigen Sie, Herr Justizrath, ich hatte mich gestern etwas später zu Bett gelegt, weil ich noch den Bericht an das königliche Obertribunal erledigen wollte …«

Trendler beginnt nun seinen Paletot auszuziehen. Er versucht es zunächst mit dem linken Ärmel. Auf der Hälfte des Weges erfaßt ihn die Reue. Er tritt auf der linken Seite den Rückweg an, und wirft sich auf die rechte. Nach einigem Zögern kommt er mit der Entkleidung zu Stande, und verfügt sich nun, den Überzieher sorgfältig an der Schlinge haltend, nach dem Nagel, wo er ihn langsam aufhängt, – nicht ohne zuvor einige imaginäre Stäubchen von dem schadhaften Sammetkragen hinweg zu blasen. Der aufgehängte Paletot wird mit zärtlicher Hingebung drapirt … Die Außenseite muß nach innen gekehrt und vor jeder Berührung mit der atmosphärischen Luft aufs Peinlichste geschützt und geschirmt sein …

Nach befriedigender Lösung der Paletot-Frage kommt die Reihe an den Rock. Unter den nämlichen Manövern, die wir beim Überzieher wahrnahmen, vertauscht Herr Trendler diesem Unter-Kleidungsstück mit seinem sturmerprobten Amt- und Dienstkittel. Ist auch diese Metamorphose beendet, so hustet er dreimal mit steigender Heftigkeit und zieht das Taschentuch, um sich zu schneuzen.

»Nun, Trendler, wird's bald?« fragt mein Onkel stirnrunzelnd.

»Entschuldigen Sie, Herr Justizrath, ich wollte mich nur schneuzen, mit Respect zu vermelden. Ich habe einen starken Stockschnupfen, seit letzthin das Wetter so umgeschlagen hat!«