»Trendler,« sagt er mit fast väterlicher Milde, »Sie sind ein Kindskopf! …«
Der Scribent fährt aus seinen Träumen empor.
»Was befehlen der Herr Justizrath?«
»Ich wünsche, daß Sie Ihre Spielereien lassen!«
»Aber, entschuldigen Sie, ich spiele nicht, ich radire. Die Tinte fleckt so.«
Mein Onkel wendet sich kopfschüttelnd zu seinen Akten.
»Es geht nicht länger mit dem Menschen,« murmelt er vor sich hin. »So leid mir der arme Teufel thut, ich muß ihm den Laufpaß geben!«
Dieser Monolog fließt nicht heute zum ersten Mal über die Lippen des alten Herrn. Zehnmal war er bereits entschlossen, Herrn Trendler zu verabschieden, und zehnmal hat die wohlwollende Gutmüthigkeit seines Herzens den Sieg davon getragen.
Trendler hat inzwischen den Bogen glücklich durchradirt. Er läßt sich jedoch auch durch dieses Mißgeschick nicht aus dem Gleichgewicht werfen. Freilich hat er jetzt noch anderthalb Seiten mehr zu copiren, aber das thut nichts. Trendler erhält seine monatliche Gage von vierzig Gulden eben so pünktlich, wenn er hundert Bogen zu Stande bringt, als wenn er deren zwölfe liefert! Er hat ja Zeit!
In diesem Augenblick ertönt Musik von der Straße. Trendler ist, wie oben bemerkt, musikalisch. Schmunzelnd horcht er auf. Leise wiegt er das Haupt nach den Klängen des rauschenden Marsches. Es ist das siebzehnte Jägerregiment, das nach dem Bahnhofe zieht. Die Stadt erwartet irgend eine hoch- oder höchstgestellte Persönlichkeit zum Besuch, ich glaube einen Schwarzburg-Rudolstädtischen Prinzen. Trendler kann es nicht über sich gewinnen, – er muß durch das Fenster blinzeln. Schmucke Gesellen, diese Jäger! Wie die blanken Waffen in der Sonne blitzen! So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage …