Mit einem Reichthume in seinen Taschen, der die Wohlhabenheit einer ganzen Familie hätte begründen können, war Lips Tullian jetzt in der Lage, kaum für sich und Margarethe den nöthigsten Lebensunterhalt beschaffen zu können.
Das wenige Gelt, welches er bei seiner Flucht gehabt hatte, die unbedeutende Baarschaft des erschlagenen Handwerksburschen, und der Erlös aus dem Verkauf der beiden Uhren war in der kürzesten Zeit dahin, denn Lips Tullian aß und trank gern das Beste, und nichts war ihm zu theuer, wonach ihm gelüstete.
Auch mußte er drei Tage in einem Dorfwirthshause bleiben, da Margarethe im muthwilligen Springen über einen breiten Graben den Fuß verstaucht hatte.
Als ein Reisender ohne Kutsche, ohne Gefolge irgend Jemand eine Schnur orientalischer Perlen, einen Ring mit großen Brillanten vom ersten Wasser, ein juwelenreiches Armband zum Kaufe anzubieten, wäre höchst unklug gewesen, da wohl eine strenge Frage würde gedrohet haben, wie ein wandernder Schlossergeselle zum Besitze dieser höchst werthvollen Kleinodien gekommen sei.
So gern Lips Tullian Prag vermieden hätte, so mußte er doch dahin gehen, wohl wissend, daß es dort Leute genug, besonders unter den Juden, gebe, denen er ohne Furcht vor lästigen Fragen seine Sachen anbieten könne.
Zur Bestreitung der Reisekosten wurden nun Kleidungsstücke von Wirthshaus zu Wirthshaus verkauft; Margarethens Reisebündel und sein Felleisen lieferte die Mittel zu manchem leckern Gerichte und mancher guten Flasche Wein. Selbst das Felleisen mußte noch für die Schwelgerei in der letzten Nachtherberge vor Prag hingegeben werden.
Nicht von dem mindesten Gepäcke belästigt, gleichsam wie von einem Spaziergange heimkehrend, schlichen Lips Tullian und Margarethe durch die dunkle Thorwölbung der uralten slavischen Stadt.
Das kleine, verwitterte, dunkle Wirthshaus zum blauen Fuchs, in einer wenig belebten Gasse der Altstadt gelegen, nahm die Reisenden auf.