Unter den vielen Winkelschenken in Prag, wo das Gesindel Zuflucht findet, kannte Lips Tullian aus seinem frühern Aufenthalte den blauen Fuchs als eine vollkommene Raubhöhle, wo in der Zechstube jeden Abend einige recht wackere Bürger sich bei der Flasche, beim mäßigen Kartenspiele und mit traulichem Geplauder vergnügen, während im Hintergebäude ein Paar kellerartige Gewölbe von liederlichen Hausvätern und feilen Dirnen, von verdächtigen Reisenden und lichtscheuem Gesindel belebt sind.
Mit Freude erblickte Lips Tullian in dem freundlich begrüßenden Wirthe den nämlichen, der bei seiner Anwesenheit zu Prag hier die Wirthschaft getrieben hatte, und auch ihn erkannte der Wirth nach einem scharfen Beschauen, sich wohl erinnernd der hübschen Summe, die bei ihm der schmucke Schlossergeselle vergeudet hatte, daher sich der Ankunft des fröhlichen Gastes hoch erfreuend.
Ein traulicher Handschlag verbürgte stillschweigend die Erneuerung sonstiger Vertraulichkeit, und als der Wirth Lips Tullian fragte, wo er sein Gepäcke habe, hätte ihm dieser mit Bias antworten können: „Omnia mecum porto.“ Er verständigte den Frager nur flüchtig, daß sein Koffer nachkomme, und erbat sich mit einem bedeutenden Winke ein apartes Zimmer, in welches ihn nebst Margarethen der Wirth schleunigst führte.
Das Zimmer war recht bequem eingerichtet, der Tisch gleich mit Wein und kalter Küche besetzt, und Lips Tullian nahm sich vor, hier einige Tage nur der Tafel und Ruhe sich zu ergeben, und dann erst den Verkauf seiner Kostbarkeiten zu besorgen, wie auch ein kleines Nebengeschäft zu versuchen, um Prag nicht ohne Gewinn zu verlassen. —
Am andern Morgen erzählte ihm der Wirth, daß er außerhalb der Stadt noch einen kleinen Gasthof besitze, wo sich Abends junge, reiche Leute versammelten, um in dem abgelegenen Gartenhause Hazardspiele zu treiben, da diese in der Stadt seit einiger Zeit sehr verpönt seien; übrigens werde dort Niemand zugelassen, für den nicht der Wirth selbst, in Beziehung auf Verschwiegenheit und Spielmittel, Bürgschaft leiste.
Lips Tullian, durch Verkauf seiner Kleinodien im Besitze einer sehr bedeutenden Summe, und von der Lust gereizt, wie in Spaa glänzend zu erscheinen, stattete sich und Margarethe mit Kleidern und Pretiosen aus, in welchen nur Reiche und Vornehme sich zeigen können.
Als Baron Horn mit Gemahlin, im Mecklenburgischen begütert, wurde er der Gesellschaft von dem Wirthe vorgestellt. In den vier Wochen seines Aufenthalts zu Prag besuchte er jeden Abend das Gartenhaus, im Wechsel des Gewinnes und des Verlustes, je nachdem er einen noch ärgern Betrüger als seinen Meister fand, oder ein kluges Benehmen gegen die argwöhnischen Mitspieler ihm Gewinn oder Verlust vorschrieb. Mit einer gewonnenen Summe von 430 Dukaten verließ er Prag.