Des Mädchens Flamme währet,
Bis Lunens Hochlicht zweimal wiederkehret;
Dann sucht sie neuen Zeitvertreib.
Seume.
Unter Lips Tullians Spielgefährten zeichnete sich ein junger Mensch durch Schönheit, durch die heiterste Laune und ein fast ununterbrochenes Spielglück vorzüglich aus.
Schon in der ersten Nacht wurde Lips Tullian auf ihn sehr aufmerksam, da er recht gut bemerkt hatte, daß dieser gewandte Betrüger durch seine feinen Künste das Glück zu fesseln wisse. Gleich hatte Lips Tullian die Idee, sich näher an ihn anzuschließen, ihn zur Reise nach Wien zu bewegen, und zur gemeinschaftlichen Sache in den dortigen geheimen Spielhäusern.
Daß der junge Mensch sich Baron von Strahl aus Litthauen nenne, hörte er im Laufe der gesellschaftlichen Unterhaltung, von dem Wirthe aber in vertrauter Mittheilung, daß dieser Baron Strahl ein entlaufener Friseur aus Berlin, ein Matador unter den falschen Spielern und vielseitig zu gebrauchen sei.
Lips Tullian wünschte sich Glück, seinen Mann gefunden zu haben, und bald war unter beiden die innigste Freundschaft geschlossen.
Nie besuchte Lips Tullian das Spielhaus, ohne von Margarethen begleitet zu sein. In einer höchst freien Kleidung, mit süßem Lächeln, mit feurigen Blicken und anmuthigen Bewegungen wandelte sie an der Seite junger Gecken und alter Thoren, die nicht des Spieles wegen hierher kamen, sondern mit den jungen gefälligen Aufwärterinnen ihr Geld und ihre Gesundheit verschleuderten, manche Stunde in den Gängen des Gartens auf und nieder, fachte in den Gemüthern der Sinnlichen die heißesten Begierden an, gab nie mehr als einen Kuß, eine Hoffnung für die Zukunft, und wußte auch bei aller Härte der Versagung ihre Verehrer so an sich zu fesseln, daß die Schlaue in kurzer Zeit sich im reichen Besitze von werthvollen Ringen, Perlen und Stoffen sah.