Es war Lips Tullians Anweisung, die verschwenderische Großmuth dieser Lüstlinge zu benutzen, und die gelehrige Schülerin übertraf seine Erwartungen.
Aber dieses trügerische Spiel währte nicht lange. Margarethe hatte für ihre freigebigen Verehrer bald kein süßes Lächeln, bald keine bezaubernden Küsse, bald keine beglückenden Hinwinke auf lohnreiche Zukunft mehr.
Ueber ihrer, bis zur Leidenschaft erwachsenen Liebe für den schönen, immer fröhlichen Strahl vergaß sie die huldigende Umgebung, ja, sie war von dieser Leidenschaft so beherrscht, daß sie Lips Tullian offen gestand, ihm nichts mehr sein zu können, als seine unerschütterliche Freundin, da ihr Herz, all ihr Sinnen, all ihre Träume sich nur dem Geliebten weihen.
Lips Tullian, nur ein roher Wollüstling, der nach gestillten Begierden auch die Reizendste mit Gleichmuth verließ, freute sich dieser Mittheilung, da er mit Zuversicht hoffen durfte, durch die Liebe und die Hingebung der reizenden Margarethe den jungen, sinnlichen Menschen mit immer festern Banden an sich zu fesseln.
Strahl wurde auch von Margarethens blühender Schönheit, von dem Zauber ihrer Anmuth, ihres lieblichen Frohsinnes und von dem Feuer ihrer Umarmungen so begeistert, daß er jeder Gesellschaft, jedem Genusse sich versagte, und nur für das Ideal seines Herzens lebte.
Daß Lips Tullian ihn so viele Stunden mit Margarethen allein ließ, daß er die Huldigungen nicht zu beachten schien, die der Liebende der Geliebten immer sichtbarer weihte, hielt er für Kälte des Ehemannes; er ahnte nicht in seinem Sinnenrausche, daß Lips Tullians Benehmen auf seine Pläne sich gründete.
Mit ihm und Margarethen reiste Strahl von Prag ab, in einem eleganten Wagen, den er um eine hohe Summe gekauft hatte, da Margarethe einst den Wunsch äußerte, recht bequem und glänzend die Reise nach Wien zu machen. Auch hatte der Gefällige, zu Margarethens Bedienung, in Prag ein Mädchen gedungen, welches die Reise nach Wien mitmachte und mit Strahl schon länger bekannt zu sein schien.
Lips Tullian war der nachsichtigste Ehemann von der Welt. Leckere Gerichte, gute Weine, ein trauliches Kosen mit Margarethens Mädchen, das sehr schön und gegen ihn nichts weniger als spröde war, nahmen den Schwelger zu sehr in Anspruch, um Margarethe und Strahl zu stören.