„Diese Aufgabe möchte wohl nicht so leicht zu lösen sein, da sich von dem Geize, von der Furcht und dem Mißtrauen der Wittwe Lehmann mit Grund erwarten läßt, daß sie ihre festen Schränke wohl verschließt und die Schlüssel mit großer Sorgfalt bewahret.“

„Ma chère Caton, es scheint, daß Du mit einer neuen Kunstfertigkeit unseres wackern Lips Tullians noch nicht bekannt bist. Der kluge Bursche mochte wohl recht ernst in die Zukunft seines Lebens hinein geschauet und da erblickt haben, daß es für ihn sehr günstig sei, sich mit fremdem Eigenthume vertraut machen zu können, ohne die rohe Gewalt eintreten und Verdacht und Verrath sich gestalten zu lassen. Aus diesem klugen Hinblicke erschuf sich in ihm der Entschluß, ein Bischen im Schlosserhandwerke zu stümpern. Daher kam seit zwei Jahren sein uns befremdender, vertrauter Umgang mit allen Schlossergesellen von ganz Straßburg, und gleichsam tändelnd hat er sich bei seinem häufigen, mit Unbefangenheit und wie zum Zeitvertreibe gepflogenen Besuche der Schlosserwerkstätten so viele Kenntnisse und Fertigkeit gesammelt, daß er vor jedem Altgesellen dieser Innung in der Probe bestehen würde. Wie durch Zauberschläge werden die Lehmannischen Schätze aus ihren wohlverwahrten Behältern entschweben, und sich freundlich bei uns niederlassen!“ —

Die würdige Gattin belobte und billigte des heillosen Eheherrn speculatives Vorhaben, aber sie hatte dem lange vermißten Rebensafte so eifrig gehuldigt, daß Sprache und Haltung ihr zu versagen begannen und die Trunkene ihrem armseligen Lager zuwankte.

[36] Das heißt wörtlich: Das Glück verbessern.

XXXXV.
Philipps erstes Debut.

Ja, fürwahr die Hölle bindet

Fest, was einmal sie gefaßt.

Wie die Nadel, wenn sie hat

Den Magnet berührt, nach Norden