„Glücklich erreichten wir Resiers, wo meine Amme einen wackern Bruder hat, dem sie mich übergab. Ich mußte einige Stunden ruhen und Erfrischungen nehmen, dann fuhr er selbst mich mit seinen Pferden nach Verdun. Hier erhielt ich von der treuen Seele mein Vermögen und die Kleider ihres vor einem Jahre verstorbenen Sohnes und wurde jene Umwandlung mit mir vorgefunden, in der Du mich fandest, als ich hierher kam.
Von Verdun aus fuhr ich mit Postpferden bis hierher, und die Furcht, von meinem unmenschlichen Stiefvater verfolgt zu werden, ließ mir unterwegs keine Ruhe und Rast.“
Philipp war überaus glücklich über die Rettung der Geliebten, mit einem unbeschreiblich süßen Gefühle hatte er Josephinens Erzählung gehört. Der Gedanke, das Wesen seiner heißesten Liebe in seinen Armen zu haben, und dem seligen Augenblicke entgegen sehen zu dürfen, mit diesem süßen Wesen bald auf immer vereint zu sein, erfüllte sein Herz mit dem höchsten Entzücken. Unter zärtlichen Küssen und mit Freude strahlenden Augen erzählte er nun seine Schicksale. Es drängte ihn, Josephinen recht bald ganz die Seine nennen zu können, und stellte sie deshalb seinem Herrn, dem Gouverneur, vor, den er inständigst um seine Unterstützung zur Erwirkung der gerichtlichen Erlaubniß, mit Josephinen verbunden zu werden, bat. Zugleich überzeugte er diesen, daß Josephine ein baares Vermögen von 5000 Livres und er 200 Ducaten besitze. Der Gouverneur sicherte seine Verwendung zu und in Kurzem waren Beide getraut.
LI.
Der Aufenthalt in Polen und Philipps erster Mord.
O ich fühl’ es, dieses Weib,
Wenn ihr sie schnell nicht meinem Blick entzieht,
Ruft Sünd’ in’s Dasein, außerordentlich,
Wie ihre Schönheit; einzig, wie sie selbst.
Friedr. Hebbel.