L. Oeser in Neusalza.
Der erste Mord.

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GRÖSSERES BILD]

„Elender Wollüstling!“ brüllte der rasende Philipp, und, von seinem Schusse getroffen, stürzte der Graf wimmernd zur Erde.[37]

Der Schuß rief die gesammte Dienerschaft zusammen. Beim Anblicke des bluttriefenden, hingestreckten Gebieters bebten sie zurück in unthätiger Erstarrung; sie erriethen schnell, was da geschehen; Philipps todtbleiches Gesicht, das wild-glasige Auge, die losgebrannte Pistole in der schlaff herabhängenden, zitternden Hand, sprachen die That klar aus.

„Bringt mich aus dieser Mordhöhle und jenen in des Thurmes tiefsten Kerker!“ — stöhnte der Graf seinen Dienern zu.

Auf sanften, sorglichen Händen wurde er in das Schloß getragen, Philipp in das grauenvollste Gefängniß des Thurmes geschleppt und mit schwerer Kette an einem Mauerringe angeschlossen.

Philipp erwartete in seinem Kerker nichts zu wissen als den Tod. Da öffnete sich nach mehreren Wochen zur ungewöhnlichen Stunde eines Abends seine Kerkerthüre. Nicht der Wärter, sondern ein Mann von riesiger Gestalt und furchtbarem Aussehen trat mit einer brennenden Fackel in das Gefängniß, löste Philipps Fessel, vertauschte dessen beinahe vermodertes Gewand mit einem reinlichen Anzuge, verband ihm die Augen, drohte mit dem Tode beim ersten Laute, und führte ihn ins Freie. Ein gellender Pfiff, und ein Wagen rollte flüchtig daher.

Philipp wurde hineingehoben, und im scharfen Trabe ging es dahin.

Am zweiten Morgen erreichte Philipp auf diese seltsame Weise die schlesische Grenze. Philipp mußte hier aussteigen. Man gab ihm einen Beutel mit Geld und die Warnung, wenn ihm sein Leben lieb sei, nie mehr die Grenze von Polen zu betreten. Schnell wandte der Wagen um und rollte zurück. Bald war er den Augen des nachstarrenden Philipps entschwunden.

In dem Geldbeutel schimmerte ihm ein Zettel entgegen, worauf er Josephinens Schriftzüge entdeckte. Diese schrieb: