Schnell hatte er eine Flasche Wein geleert, ein tüchtiges Stück Braten gegessen, und beschloß nun, frisch fort zu traben, da er befürchten mußte, daß die Leiche des von ihm erschlagenen Mannes bereits gefunden und das Gerücht von dem Morde vielleicht schon in weiter Umgebung verbreitet worden sei. Er befestigte den Mantelsack und wollte eben zu Pferde steigen, als er rücklings ergriffen und im Augenblicke zu Boden gerissen war.
Ein baumlanger, breitschulteriger Kerl stand vor ihm, mit hochgeschwungenem Knittel, und forderte Uhr und Geld[2].
Sein erster heftiger Schrecken bei dem Gedanken, von der Faust eines Häschers gefaßt und keiner Gegenwehr mächtig zu sein, war schnell bei der barschen Forderung nach Uhr und Geld verschwunden; er sah, mit wem er es zu thun habe; eine ganze Räuberbande wäre ihm minder furchtbar gewesen, als ein einziger, tüchtiger Diener der Gerechtigkeit.
Mit einer Ruhe und einer Offenherzigkeit, die den Räuber erstaunen, und den zum tödtlichen Schlage erhobenen Arm sinken machte, begrüßte er ihn, erzählte, vor einigen Stunden, nicht fern von der polnischen Gränze, einen Reiter erschlagen, ihm Uhr, Börse und Pferd genommen zu haben, und erbot sich nicht nur allein zur Theilung, sondern auch zu künftiger Gemeinschaft und Genossenschaft.
Schweigend hatte ihm der Räuber zugehört, er betrachtete jetzt das Pferd.
„Was Teufel!“ — rief er, und lachte laut auf — „das ist ja der Brandfuchs des Herrn von Liebenstein. Alle wackern Gesellen sollen Dich auf den Händen tragen, daß Du dieser Bestie den Garaus gemacht hast. Der Schuft war mit seinen Jägern und Gerichtsdienern immer hinter uns her. Nun, dafür sollst Du auch belohnt werden, so wahr als ich der schwarze Wenzel heiße. Du bist der tüchtigste Kerl, vor dem ich selbst Reverenz mache, und wenn Dir Dein voriger Antrag, mit mir Gemeinschaft zu pflegen, Ernst war, so soll es Dir nicht an Gelegenheit mangeln, auf Kosten anderer Leute in Saus und Braus zu leben. Schlag ein, Bruderherz, und sey der Unsrige!“ —
Mit wilder Lust schlug dieser ein, riß den Mantelsack vom Pferde, und unter den lasterhaftesten Gesprächen wurde getafelt und gezecht, bis der Abend hereinbrach und das Wiehern und Stampfen des nach Futter und Wasser verlangenden Pferdes zum Aufbruch nach einer Herberge mahnte.
„Wohin nun,“ — fragte der neue Räuber — „um nichts befürchten zu dürfen, denn die Kunde von der Ermordung des Liebensteiner mag schon weit herumgekommen und jeder Gastwirth gegen den Unbekannten argwöhnisch sein, der mit keinem Passe versehen ist. Auch macht mir das Pferd Sorge, da vielleicht Mancher es erkennen möchte.“
„Sei unbekümmert,“ tröstete der Spießgeselle, „Dich erwartet eine Nachtherberge, wo Du gute Bewirthung und ein lustiges Treiben finden wirst, wo Du sicherer bist, als in Abrahams Schoos. Wir haben eine gute Meile zu machen, und ich werde Dich Wege führen, wo Du und der Brandfuchs ungesehen bleiben. Nun folge mir!“