Was er nach einigen Augenblicken sah, minderte zwar seinen Argwohn, mehrte aber seine Befremdung. Wenzel hatte den Arm bis an die Schulter in eine Felsenspalte gesteckt und seine Bewegung zeigte, daß er an einer Glocke ziehe. Bald darauf ertönte ein dreimaliger Hahnenruf, den Wenzel eben so erwiederte. Jetzt kam um den Felsen herum ein Kerl, eine Büchse unter dem Arme, einen furchtbar großen, immer knurrender herandrängenden Fanghund an einer Kette haltend. „Masel toff Köng rodl’ ich den tuftesten Kaper in unsere Bingertei[3]!“ — rief Wenzel. — Mit wild freundlichem Lächeln reichte der Kerl dem Fremden die Hand, schmeichelnd sprang der Bullenbeißer an Wenzel hinauf und beschnoberte dann den Fremden, mit feindlichen Blicken ihn beobachtend.

Es ging nun um den Felsen hin. Ein großer Haufen Laub und Reißig lag auf einem Flecke. Schnell war ein Theil davon durch Wenzel und seinen Kameraden hinweggeräumt, eine Fallthüre wurde sichtbar, und als diese aufgehoben war, zeigte sich ein ziemlich breiter, nicht zu abschüssiger Gang in die Tiefe, der für ein Pferd Raum genug hatte. Das Pferd wurde von Wenzel hinabgeführt, während der Andere im Augenblicke Licht geschlagen und eine Wachskerze angezündet hatte. Man gelangte in ziemlicher Tiefe auf einen Platz, der ganz ausgebrettert war, drei bis vier Pferde faßte und mit einem Vorrathe von Hafer und Heu versehen war. Der Brandfuchs wurde abgesattelt, getränkt, gefüttert, und nun ging es aufwärts, wo man die Fallthüre niederließ und sie wieder sorgfältig bedeckte.

Wenzel kletterte nun den Felsen hinauf, hieß seinen Begleiter ihm folgen und der Kerl mit dem Hunde schloß den Zug. Man kam an eine Oeffnung, durch welche man kriechen mußte, dann in einen Gang, der hoch und breit genug war, um aufrecht darin fortzukommen.

Wenzel pfiff auf einer Diebespfeife, sein Kamerad verrammelte die Oeffnung mit Steinen, mit einem starken Querbalken, und aus der Ferne flammte ihnen das sprühende Licht einer Fackel entgegen.

Es war ein junger Bursche von wildem, trotzigem Aussehen, der mit der Fackel daher kam, Wenzel mit einem Freudengeschrei begrüßte, den Fremden scharf beschaute, und dann mit seiner Leuchte voran schritt.

Der Gang führte abwärts. Gesang und Lachen erscholl aus der Tiefe, eine Thüre wurde geöffnet, und der Fremde starrte mit sprachlosem Erstaunen und festgewurzeltem Fuße die sich ihm darbietenden Erscheinungen an.

Eine Höhle, von Felsenwänden umschlossen und von sehr weitem Umfange, war von unzähligen Fackeln, die in den Felsenritzen steckten, erleuchtet. In der Mitte stand eine lange Tafel, an einer Wand hin lief ein hoch aufgeschichtetes Strohlager, über welchem Flinten, Säbel, Pistolen, Messer und Beile hingen. Ganz im Hintergrunde brannte ein Feuer, von Kochtöpfen umgeben. An der Tafel saßen mehrere Männer mit einigen sehr hübschen Dirnen, andere lagen auf dem Strohlager, andere bereiteten Speise.

Auf den Ruf des Fackelträgers: „Der schwarze Wenzel ist da!“ — sprang alles auf und jauchzte dem sehr beliebten Kameraden entgegen, mit Grüßen und Fragen ihn umdrängend.