Dieser unerwartete Angriff und die verzweifelte Gegenwehr boten ein furchtbares Schauspiel. Die Räuber waren der Zahl nach die Schwächeren, aber sie hatten den Vortheil, mit allen Windungen und geheimen Gängen der Höhle bekannt zu sein. In diesem Vertilgungskampfe beim Scheine der Fackeln und dem Aufblitzen der Gewehrsalven wurde Alles ein Werkzeug des Todes. Gewaltige Steinmassen, durch die von den Gewehrsalven verursachte Erschütterung abgelöst, stürzten vom Gewölbe hernieder und zerschmetterten in ihrem Falle Räuber und Soldaten. Die von den Felsen abprallenden Kugeln rissen von denselben ungeheure Stücke los, welche, wo sie trafen, schreckliche Verwundungen verursachten. Der schauerliche Lärm des Kampfes, das Wirbeln der Trommeln, das Stöhnen der Verwundeten und Sterbenden wiederhallte, durch das Echo vervielfältigt, in der ganzen Höhle.

Der Räuber waren es höchstens vierzig, aber bei den Vortheilen, welche ihnen die Oertlichkeit darbot, und da sie tüchtige Schützen waren, die ihr Leben muthig in die Schanze schlugen, war ihre Stärke um das Hundertfache höher anzuschlagen. Ueberall durch Spalten oder Vorsprünge der Felsen gedeckt, schossen sie die Soldaten nieder, ohne daß diese sie erreichen konnten. Glücklicherweise war die Truppe durch immer nachrückende Verstärkung im Stande, ihre Verluste rasch zu ersetzen, und durch allmäliges Vordringen die Räuber auf einen Punkt zu treiben, wo der Kampf, der so vielen Wackeren das Leben kostete, doch endlich mit einem Schlage zu Ende gebracht werden mußte.

Der Kampf hatte bereits eine Stunde gewährt, die Räuber waren, von einer Stellung zur andern vertrieben, bis an einen kleinen See gelangt, der sich nahe am Ende der Höhle befand. Sie wateten durch denselben, und als die Soldaten, welche die seichten Stellen des See’s nicht kannten, ihnen nachsetzten, sanken sie bis an die Hüften ins Wasser, und hatten dabei ein mörderisches Feuer auszuhalten; als sie aber erst wieder im Trockenen waren, trieben sie die Räuber mit gefälltem Bajonet bis an das äußerste Ende der niedern Höhle vor sich her.

Dort aber wartete ihrer eine neue Schwierigkeit, ein weit ernsteres Hinderniß, als alle seither durch ihren Muth und ihre Entschlossenheit überwundenen. Die Räuber waren bis zum Ende der Höhle zurückgetrieben worden, wo man mit Hilfe zweier Leitern, die zusammengebunden über einen bodenlosen Abgrund gelegt waren, in eine zweite etwas tiefer gelegene Höhle gelangte. Hier löschten die Räuber die Fackeln aus, und zündeten einen Haufen feuchtes Stroh an, welches die ganze Höhle mit einem dichten, erstickenden Qualm füllte. Sodann ließen sie sich an den Leitern hinab, und stürzten diese in den Abgrund, nachdem sie einen kleinen Vorsprung erreicht hatten, auf welchem jedoch nur acht von ihnen Platz fanden, während die Uebrigen sich nach dem untern Theile der Grotte begaben, von wo sie über Felsen und Steine in nischenförmige Höhlungen kletterten, aus welchen sie, unsichtbar und geschützt, ihre Gegner niederschießen konnten, wenn diese den Versuch machten, den Abgrund zu überschreiten.

Das Erstaunen der Soldaten, als sie einen Augenblick durch die Finsterniß aufgehalten, nachdem der Strohbrand gelöscht war, beim Scheine der wieder angezündeten Fackeln die letzten Räuber in den Felsen verschwinden sahen, läßt sich leichter denken als beschreiben.

Das Krachen eines wohlunterhaltenen Gewehrfeuers, das von dem Vorsprung und von dem Gewölbe kam, weckte sie bald aus dem Erstaunen, und zeigte Ihnen, in welcher Gefahr sie sich befanden. Das ganze erste Glied wurde niedergeschmettert als es am Rande des senkrechten Felsen angekommen war, an welchem der Abgrund begann. In augenblicklicher Entmuthigung zogen sich die braven Soldaten zurück. In diesem ungleichen Kampfe sah man sich von unsichtbaren Feinden getroffen, ohne ihnen wieder etwas anhaben zu können.

Der Oberst erkannte indeß mit seinem erfahrenen Blicke, daß der Augenblick der Entscheidung gekommen sei. Er hatte sich mit Strickleitern versehen, und nachdem er alle Lichter hatte auslöschen lassen, ertheilte er laut den Befehl zum Rückzuge.

Gleichzeitig vertheilte er, während der übrige Truppenkörper die Füße bewegte, als ob er sich in Marsch gesetzt hätte, seine besten Schützen in die äußersten Vertiefungen des Felsens, und ließ Leitern herbeibringen, um sie über den Abgrund zu legen. Nach diesen Vorbereitungen ließ der Oberst plötzlich einige Feuertöpfe nach dem Vorsprunge jenseits des Abgrunds werfen, deren rothes Licht wie die Flamme des Vulkans den Theil der Höhle, wo die Räuber auf dem Vorsprung und in den Nischen versteckt waren, grell erhellte und den Soldaten ihre Feinde sichtbar machte.

Nun fielen hundert Schüsse auf einmal, und man sah fast sämmtliche Räuber, durch das plötzliche Licht geblendet und nun ihrerseits von unsichtbaren Feinden niedergeschmettert, wie Figuren bei einem Festschießen zu Boden stürzen. Nach einigen wenigen Salven war der Kampf zu Ende. Jedoch gelang es den noch am Leben gebliebenen Räubern zu entfliehen. Die meisten davon waren jedoch auf dem Platze todt geblieben.