Das war für den Wirth und seine Gäste zu viel. Sie sahen sich erkannt; sie befürchteten alles von einem Manne, der von ihrem Treiben und ihren Plänen so genau unterrichtet war. Hastig flüsterten sie unter einander, der Wirth riß ein Fenster auf, schaute nach allen Seiten und winkte ihnen. Sie sprangen auf, mit gezogenen Messern, zum raschen Todesstoße bereit.

Dem Fremden war das gefährliche Flüstern und Winken nicht entgangen. Im Augenblicke ward der Mantel zurückgeschlagen und die Mündungen einer gespannten Doppelpistole droheten ihnen entgegen.

„Zurück, die Messer zur Erde, die Köpfe entblößt[19]!“ schrie ihnen der Fremde mit wild rollenden Augen und in der stolzesten Haltung zu. „Ich Lips Tullian gebiete Euch rasche Unterwerfung!“

Die Messer klirrten zur Erde nieder, Hüte und Mützen flogen von den Köpfen; Schrecken und Freude drückten sich auf den Schelmengesichtern in starken Zügen aus. Einer schlich näher, und betrachtete den Fremden mit scharf prüfendem Auge. „Ja, so hat Dich der rothe Jonas beschrieben, der in Schlesien unter Deiner Bande war, ja Du bist Lips Tullian!“ rief er und warf jauchzend die Mütze an die Decke.

„Es lebe Tullian, er sei unser Bonherr[20]!“ brüllten die Unholde.

L. Oeser in Neusalza.
Lips Tullian in Lebensgefahr.

[❏
GRÖSSERES BILD]

[15] „Schweige! Ein Fremder kommt!“ (dieses und das folgende ist aus der rothwälschen, auch Gauner-, vulgo jenischen Sprache.)