Die Kunden wurden täglich weniger, die Einnahmen geringer und Frau Bieberich, bei ihrem sehr belebten Geschäfte eines sehr fleißigen, kunsterfahrnen Gesellen höchst bedürftig, erklärte dem beinahe unbrauchbaren Philipp schon nach einigen Wochen, daß er sein Bündel zu schnüren und sich sonst wo Arbeit zu suchen habe.

Wittwe Bieberich, eine junge, schöne Frau, war lebenslustig, aß und trank gern gut, liebte den Putz und zürnte nicht, wenn ein hübscher Mann sich ihr traulich näherte und ihren Reizen huldigte.

Philipp hatte sie ganz durchschauet und durfte aus ihrem Benehmen die volle Ueberzeugung schöpfen, von ihr sehr ungern und nur deswegen aus der Arbeit gewiesen zu werden, weil er als Handwerker nicht das leisten konnte, was das Geschäft forderte.

Für Philipp war das Austreten aus diesem Hause die allerfatalste Sache. Frau Bieberich genoß einen guten Ruf, er hatte sich unbescholten betragen, dadurch das Vertrauen seiner Meisterin und der Nachbarschaft gewonnen, durfte also versichert sein, so manchen seiner Raubpläne in dieser Stadt auszuführen, ohne daß man in ihm nur einen Mitwisser der Verbrechen ahnen möchte.

Er mußte in diesem Hause bleiben, um seine Stückchen, die er aus kluger Vorsicht bisher unterlassen hatte, mit Sicherheit beginnen und treiben zu können; er durfte auch nicht länger säumen, da seine Genossen, der langen Unthätigkeit überdrüssig, größtentheils vom Gelde entblößt waren und ihm bei ihrer letzten geheimen Zusammenkunft in einer liederlichen Winkelkneipe mit derbem Fluche erklärt hatten, sich von ihm loszusagen und auf ihre Rechnung Geschäfte zu machen. Er schritt nun an’s Werk. —

XVII.
Die schöne Schlosserswittwe.

Es braust die Leidenschaft in aufgeregten Wellen:

Das ihnen anvertraute Schiff