In Prag war bei der gesteigerten Wachsamkeit für Lips Tullian und seine Genossen nichts mehr zu thun. Sachsen sollte nun der Schauplatz ihrer Verbrechen werden.
Lips Tullian äußerte gegen Frau Bieberich, daß ihm die Sehnsucht nach seinem Vaterorte alle Ruhe raube, daß er fest entschlossen sei, an der Grenze von Oldenburg seinen Aufenthalt so lange zu nehmen, bis ihm die Rückkehr dahin gestattet sei, daß er keinen frohen Augenblick habe, bis er wieder vaterländische Luft einathme.
Frau Bieberich war untröstlich. Die Neigung zu ihrem Philipp war zur unbezähmbaren Leidenschaft geworden. Sie warf sich vor ihm auf die Kniee und gelobte, ihr Haus, ihr Gewerbe, alle ihre Einrichtung zu verkaufen und das Capital in seine Hand zu legen, wenn er ihr gestatte, nur als Magd ihm zu folgen.
Für einen Patron wie Lips Tullian war das Anerbieten der Ueberlieferung solch eines Capitals nicht zu verwerfen. Dieses in Empfang zu nehmen und die Geberin bei schicklicher Gelegenheit sich vom Halse zu schaffen, war der Bösewicht gleich entschlossen.
Er heuchelte anfangs den tiefsten Schmerz über die Trennung von ihr, brach bei dem Anerbieten, ihm nach seinem Vaterlande zu folgen, in Entzücken aus, machte Einwürfe, die leicht widerlegt werden konnten und gestand dann unter erkünstelten Thränen, daß, fern von ihr, der Gram ihn tödten würde.
Die Sache war bald im Reinen. Lips Tullian wanderte mit seinem Reisebündel aus Prag. Frau Bieberich sorgte dafür, daß die Leute in dieser und der nächsten Straße sogleich wußten, der Werkführer der Wittwe Bieberich habe Prag verlassen, um in seiner Vaterstadt das eigene Gewerbe zu treiben und seine Verlobte zu ehelichen; daß er sich immer mehr übernommen, der Meisterin nicht mehr die gehörige Achtung erwiesen und ihr viele Veranlassung zur Unzufriedenheit gegeben habe.
Ein paar Wochen darauf zeigte Frau Bieberich den redseligsten ihrer Nachbarinnen einen von ihr selbst geschriebenen Brief, worin sie von ihrer kränkelnden, verwittweten, in Ungarn ansässigen Schwester aufgefordert wurde, Haus und Gewerbe zu verkaufen, zu ihr nach Pesth zu ziehen und dort ein sorgenloses Leben zu führen.
Als jetzt Frau Bieberich Alles verkaufte und Prag verlassen hatte, waren alle ihre Bekannten im festen Wahne, sie reise geradezu nach Pesth, zur kränklichen, kinderlosen Schwester, einer reichen Erbschaft entgegen. Niemand ahnte, daß die Schlaue mit raschen Postpferden über Saaz der sächsischen Grenze zueile, wo der geliebte Philipp an einem verabredeten Orte ihrer und ihres Geldes harrte.