XVIII.
Die Trennung von Prag.
Rasch bestell’ ich schon
Den Reisewagen, der uns schleunigst soll
Von dannen tragen in ein and’res Land.
Th. Murdt.
Nicht für gemeine Beutelschneidereien oder gewöhnliche Gaunerstückchen bestimmte sich nun Lips Tullian, Prag sollte ihm eine reiche Ausbeute geben.
Kirchenraub wurde von ihm und seinen Gesellen beschlossen. In der kurzen Frist von drei Monaten hatten sie in acht Kirchen eingebrochen und Monstranzen, Kelche, silberne Leuchter und andere Geräthe von vielem Werthe, wie auch eine Menge kostbarer Meßkleider geraubt. Der Gewinn dieser Beraubungen war so bedeutend, daß allein von dem Einbruche in einer am Liebenauschen Thore gelegenen Kirche, der ärmsten der beraubten, jeder der Räuber 350 Gulden als Antheil erhielt.
Die Aufmerksamkeit der Polizei wurde immer reger und die Vorsicht gegen Einbrüche mit strenger Wachsamkeit ausgeübt. Die Räuber wandten sich von den Kirchen zu den Privaten. Ein gräflicher Pallast auf dem Neustädter Ringe, ein andrer in der Fleischergasse und ein Kaufgewölbe auf dem Porschütz wurden mit eben so vieler Schlauheit als frecher Verwegenheit ausgeraubt.
Die bedeutenden Einbrüche und Beraubungen machten großes Aufsehen. Das Militair durchstreifte die Straßen der Stadt und die Vorstädte Tag und Nacht, die Wachtposten wurden vermehrt und alle Häuser von der Polizei durchsucht. Man griff so manchen Gauner und Dieb auf, aber die Hauptverbrecher hatten sich in ihren verschiedenartigen Schein-Erwerbungszweigen immer so fleißig im häuslichen Leben, so tadellos benommen, daß sie der Polizei bei Gelegenheit der Häuservisitationen vorzüglich gepriesen wurden.