Sie kennen nun meine Verhältnisse und die Veranlassung zu meinem Aufenthalte in Prag. Erfüllen Sie meine Bitte, in Ihrem Hause unter scheinbarer Beschäftigung unbemerkt fortleben zu dürfen, bis meine Rückkehr in’s Vaterland eintritt. Erlauben Sie auch,“ — hier zog er seine goldgefüllte Börse und zählte 20 Dukaten auf den Tisch — „daß ich einen kleinen Theil meiner künftigen Schuld vorausbezahle.“
Die schöne Schlosserswittwe in Prag.
Die blanken Holländer, die Aussicht auf die Freigebigkeit des reichen Oldenburgers, der Gewinn am neuen Gesellen, Kost und Wochenlohn zu ersparen, alle diese Vortheile wären schon überwiegend genug gewesen, Frau Bieberich zur Erfüllung der Bitte zu vermögen, hätte nicht Philipps männliche Schönheit und die Hoffnung auf manche süße Stunde, die ihr aus seinen zärtlichen Blicken, aus dem Feuer, mit welchem er im Laufe und am Schlusse seiner Erzählung sie oft umschlang,[26] entgegen leuchtete, ohnehin für seine Wünsche auf das bewegendste gesprochen. Doch hatte sie weiblichen Takt genug, mit ihrer Erklärung zu zögern, in einer anmuthigen Haltung gleichsam darüber sinnend.
Philipp wurde immer feuriger; die Erglühende versuchte mit immer schwächerem Widerstande seinen heißen Umarmungen sich zu entwinden. — Sie werden wohl eins geworden sein, denn von diesem Abend an konnte die glückliche Frau sich nicht in Aufmerksamkeiten für den neuen Werkführer genug erschöpfen.
[25] In der Handwerkssprache bezeichnet der Ausdruck: „Feierabend geben“ — die Entlassung aus der Arbeit.
[26] Hierzu die [Abbildung] in diesem Hefte.