In einem Walde außerhalb Dresden wurde der Raub getheilt[27], nachdem davon eine große Summe in Gold zur Vertheilung unter die übrigen Mitglieder der Bande abgesondert worden war. Nicht das Mindeste nahm Lips Tullian von seinem, nach den Gesetzen der Gesellschaft ihm doppelt zugefallenen Antheile mit sich in seine Wohnung, aus Furcht irgend einer Entdeckung; er übergab Sarberg alles, und bezeichnete ihm eine Felsenschlucht in der Oberlausitz, wo er es zu vergraben habe.

Im zurückgezogenen Wohlleben brachte nun Lips Tullian mit Marianen seine Tage hin, war Heuchler genug, täglich die Kirche zu besuchen, auf dem Gange dahin die Armen zu beschenken, gewann bei der Nachbarschaft den Ruf eines gar frommen, mildthätigen Herrn, und ergaunerte sich am grünen Tische von Zeit zu Zeit eine schöne Anzahl von Goldstücken.

[27] Hierzu die [Abbildung] im nächsten Hefte.

XXI.
Der Schmuck des Juden Marx in Halle.

Einen schlimmen Weg ging gestern ich,

Einen Weg, dem ich nicht wieder traue!

Burns.

Eines Morgens kam Hentzschel zu ihm mit der Nachricht, daß bei dem Juden Assor Marx zu Halle ein Schmuck von hohem Werthe liege, welchen Marx für eine Banquiersfrau in Leipzig aus Frankfurt besorgt habe; daß aber dieser Schmuck sehr gut verwahret, und es das Allerschwierigste sei, ihn dem wachsamen Juden zu entwenden.

Lips Tullian ließ sich von Hentzschel über Assors häusliche Verhältnisse, seinen Charakter, die Lage des Hauses etc. die genaueste Auskunft bis auf die geringfügigsten Umstände geben, und versicherte mit großer Bestimmtheit, der Schmuck sei so viel als in seinen Händen, wenn Marx ihn nicht schon abgeliefert habe. Er traf unverzüglich seine Anstalten.