Lips Tullian verlor und gewann in der ersten Zeit, doch immer so, daß der Verlust den Gewinn weit überstieg. Als er die Spieler recht sicher gemacht hatte, ließ er seine Spielkünste ins Leben treten, und ging nie, außer wenn er es aus Klugheit mäßig machte, vom grünen Tische, ohne die Goldstücke der Spielgesellschaft mit den seinigen vereint zu haben.
Vor dem Anfange des Spieles unterhielt eines Abends Herr von Cotitz die Anwesenden von dem bedeutenden Brautschatze der jungen Gräfin von Beuchling und nannte ihn einen fürstlichen. Lips Tullian brannte die Erde unter den Sohlen; er spielte kopflos, da ihn die Begierde nach diesem fürstlichen Mahlschatze zu sehr bemeisterte. Noch war die Spielzeit zur Hälfte nicht verflossen, als er schon über 100 Dukaten verloren hatte.
Der Verlust machte ihm keine bittere Laune, er freute sich vielmehr darüber, da ihm dadurch Gelegenheit wurde, das Spiel zu verlassen, mit Cotitz, der im Nebenzimmer bei einer Flasche Wein allein saß, zu sprechen, ihn auszuforschen, und dann seinen Plan zu bilden. Cotitz plauderte in seiner Redseligkeit alles, was Philipp wissen wollte, recht ausführlich aus, und sein listiger Zuhörer schied in der größten Zufriedenheit von ihm.
Ohne Gehülfen konnte Lips Tullian nicht zum Ziele kommen, er brauchte nur wenige, aber Leute von feinster Schlauheit und erprobtem Muthe. In Dresden war nicht einer von der Bande gegenwärtig, durch den er die nöthigen Gesellen hätte berufen können.
Die Theilung der Beute im Walde.
Mariane erbot sich gleich zu diesem Geschäfte. Mit ihrem Bandkasten auf dem Rücken eilte sie gleich nach Oeffnung der Thore aus Dresden, und bald kehrte sie mit Sarberg, Schickel, Lehmann und Eckold zurück, die ihr einzeln und in verschiedenen Verkleidungen gefolgt waren.
Der Brautschatz der jungen Gräfin war im Beuchlingschen Palaste in einem Gemache aufbewahrt, das im obersten Geschosse und in der Mitte von zwei Zimmern lag, wovon eines von dem Hofmeister mit seinen gräflichen Zöglingen, das andere von dem Jäger und dem Koche bewohnt war. Und aus dieser Umgebung heraus holten sich die Räuber die Chatoulle mit der reichen Aussteuer in Gold und ein aus Silber geflochtenes Körbchen, worin der Schmuck lag, der einen Werth von 60,000 Thalern hatte.