Lüstern sein Auge! wie tobte sein Herz! wie schwellt ihm den Busen

Blut- und Beutebegier!

Kosegarten.

Es war nicht mehr die kleine Gesellschaft, aus Sarberg, Schöneck, Eckold, Schickel, Lehmann und Hentzschel gebildet, welche Philipp als Häuptling befehligte; mehr als hundert Gauner, Diebe, Räuber, Mordbrenner und Mörder hatten schon in den ersten Monaten seiner Ankunft auf sächsischem Boden zur Fahne des mächtigen Lips Tullian geschworen.

Er gab der Bande militärische Eintheilung, formirte sechs Corps, stellte jedes unter die Befehle eines der benannten Vertrauten, und nannte die Bande, über die er selbst den Oberbefehl führte, die schwarze Garde.

Bald ward dieser Name in Sachsen nur mit Bangigkeit und großen Besorgnissen genannt, der Name Lips Tullian war der Schrecken des Landes. Einbrüche in Kirchen und Häuser, Ausplünderung der Reisenden, Angriffe auf Postwagen, Gelderpressungen durch Drohbriefe und Brandstiftungen reiheten sich in himmelschreiender Folge.

Die Bande war im ganzen Lande vertheilt, Lips Tullian mit Mariane größentheils auf Kundschaft, wo sein Handel mit Bändern und den damals so beliebten italienischen Waaren, seine geschmackvolle, feine Kleidung, sein gebildetes Betragen ihm Zutritt in den besten Häusern verschafften, deren Verhältnisse in klingender Beziehung, so wie Gelegenheit zum Einbruche genau zu erforschen, ihm bei seiner Schlauheit keine schwierige Aufgabe war.

In einem Umkreise von einigen Meilen hatte er seine Niederlage in vertrauten Häusern, wo er von Woche zu Woche von seinen Unteranführern Nachricht über die Geschäfte der Bande, über ihre künftigen Unternehmungen erhielt. Gab es einen Angriff oder Einbruch, wo Tollkühnheit an der Spitze stehen mußte, so eilte er dahin, überzeugt, daß seine Gegenwart und sein Beispiel auch den Feigsten seiner Gesellen ermuthigte.

Mehr als ein Jahr hatte er unter den größten Anstrengungen hingebracht, jetzt wollte er sich einige Ruhe gönnen. Er übergab Sarberg das Obercommando, und ging mit Mariane nach Dresden, wo er eine abgelegene Wohnung bezog, zwar zurückgezogen lebte, dabei aber sich in seiner häuslichen Zurückgezogenheit einem schwelgerischen Wohlleben hingab.

Die Ruhe behagte ihm nicht lange; er hatte sich zu sehr an eine verbrecherische Regsamkeit gewöhnt. Es war das Erste, daß er Häuser auskundschaftete, worin verbotene Spiele um hohes Geld getrieben wurden. Er wußte in solche Häuser sich Eingang zu verschaffen, und man empfing den anständigen Fremden mit seiner gefüllten Goldbörse recht freudig.