Aus einem übergroßen Pfeifenkopfe qualmend, ritt er gemächlich dahin, aufmerksam dem Gespräche der dicht hinter ihm folgenden Dragoner horchend, die anfangs sich im Anpreisen der köstlichen Bewirthung, der weichen Betten und der anmuthigen Freundlichkeit der Ancillen überboten, dann auf die Erzählungen der Jägerburschen übergingen, wie diese mit Muth und Klugheit so manchen Wilddieb und auch erst im verflossenen Jahre eine höchst berüchtigte Zigeunerbande eingefangen hatten.
Das war für Herrn Hilmer eine gar angenehme Unterhaltung. Die Dragoner mußten ihm zur Seite reiten und bis auf den geringfügigsten Umstand alles wiederholen, was ihnen die tapfern Waidmänner zum Besten gegeben hatten.
Förster Krause hatte seine Gäste zum Frühstücke mit Schinken und Rum bewirthet.
Herr Hilmer fühlte jetzt Durst und trabte frisch darauf los, um bald eine Schenke zu erreichen.
Kaum hatte er sich vom Rosse geschwungen und für sich und seine Reiter eine Kanne Bier erhalten, als ein ländlich- aber wohlgekleideter Mann an die Schenke trat und sich ein Glas Doppelkümmel reichen ließ. Schweigend und mit einer Miene, die Kummer und Bangigkeit verrieth, nahm er am Tische des Oberprofosen Platz.
„Mit Gunst, mein lieber Mann! Woher des Weges und warum so niedergeschlagen?“ — fragte Hilmer, der, nur immer mit Plänen zur Einfangung des Raubgesindels beschäftigt, mit jedem, der ihm aufstieß, ein Gespräch pflog, um vielleicht dort und da etwas ihm Nützliches zu erspähen.
„Ich bin der Krämer von dem nächstgelegenen Dorfe,“ — erwiederte der Mann — „und kehre von Dresden nach Hause, wo ich Waaren bestellt habe. Der Herr fragt mich, warum ich so niedergeschlagen bin? Ach, lieber Himmel, wer kann denn noch ein frohes Herz im Leibe haben bei diesen schweren Zeiten, wo man keinen Augenblick vor Beraubung, Mord und Brandstiftung sicher ist. Unser Dorf zählt an Männern und mannhaften Burschen 64 Köpfe, lauter gesunde, stämmige Leute, alle mit Waffen versehen, und doch muß bereits seit einem Jahre immer die Hälfte davon die ganze Nacht hindurch im Dorfe und um selbes patrouilliren, wenn wir gegen Zigeuner, Diebe und Räuber unsere Habe kräftig schützen wollen.“
„Ihr werdet bald ruhiger leben,“ — tröstete der Oberprofos den Bekümmerten — „Unser allergnädigster Landesherr hat ein gar mächtiges Mandat gegen das Diebs- und Raubgesindel erlassen und wir dürfen von dem bekannten Eifer der Behörden mit Zuversicht erwarten, unser beängstigtes Sachsen in kurzer Zeit der Gefahr und Furcht erledigt zu wissen.“ —
„Ach, Herr Kriegsmann,“ — sprach der Krämer — „ich fürchte, die Gefahr sei jetzt beinahe noch größer und das Verderben sicherer, als selbst in der bisherigen, so unsichern Zeit. In verflossener Nacht sind auf dem Festungsbaue zu Dresden acht Gefangene ausgebrochen, worunter sich der so gefürchtete Lips Tullian befindet.“