„Hölle und Teufel!“ — schrie der Oberprofos und sprang mit grimmiger Geberde auf.

Doch bald wich der Hitze rasches Aufbrausen einer ernsten Besonnenheit und das von einer wilden Aufregung dunkel entflammte Gesicht ward zur höhnisch-verächtlichen Miene, mit welcher er dem Krämer sagte: „Bewahre Er vorlauter Patron seine Zunge besser und erkühne Er sich in Zukunft nicht, dergleichen einfältige Schwänke sich gegen mich zu erlauben; denn er soll hiemit bedeutet werden, daß ich der allergnädigst bestallte Oberprofos der Festung Dresden bin, daher wohl und genau wissen müßte, wenn ein so berüchtigter Räuber, wie genannter Tullian ist, sich unter den Baugefangenen allda befinden würde.“ —

„Zürnet nicht, gestrenger Herr Oberprofos,“ — entschuldigte sich der demüthige Krämer mit einem tiefen Bücklinge, — „daß ich in meiner gemachten Aussage zu verharren mir erlaube. Benannter Lips Tullian hat einige Stunden nach seinem Ausbruche einen Brief an den Herrn Oberzeugmeister Schmit mittelst eigenen Boten gesandt und darin schwere Beleidigungen und Spottworte gegen den wohledeln Herrn Schmit, wie auch gegen alle gestrengen Herren Befehlshaber ausgestoßen. Am Schlusse dieses Briefes machte er sich besonders darüber lustig, daß man so eifrig dem Lips Tullian nachstrebe, während man ihn schon lange in Haft gehabt und den von ihm angegebenen Namen „Mengstein“ immer mit der einfältigsten Treuherzigkeit als seinen wahren angenommen habe. Auch berief sich Tullian auf zwei Baugefangene, die, als seine frühern Gefährten, nicht leugnen werden, daß er wirklich der so allgemein gefürchtete und verfolgte Lips Tullian sei. Es verhielt sich auch wirklich so. Die zwei Baugefangenen, welche gleich nach dem Einlaufe dieses Briefes in das Verhör und, weil sie hartnäckig leugneten, auf die Folter gebracht wurden, gestanden schon unter den Daumenschrauben, daß der Baugefangene Simon Mengstein wirklich der unter dem Namen Lips Tullian berüchtigte Anführer der schwarzen Garde sei.“

„Gestrenger Herr Oberprofos, gefälligen Sie, hier im Wirthshause, wie in der ganzen Gegend umher über mich Kunde einzuholen, und Sie werden hören, daß ich ein rechtschaffener, wahrheitsliebender Mann bin. Was ich hier erzählt habe, erfuhr ich schon heute gleich nach Tageseinbruch, denn der Fourierschütz des Herrn Oberzeugmeisters Schmit, mein Stiefbruder, rüttelte mich aus dem Schlafe auf, um mir diese, für das ganze Land so schreckhafte Neuigkeit mitzutheilen, die mich auch bewog, gleich nach meinem Dorfe aufzubrechen, und meine Nachbarn auf die neuerdings und recht verderblich uns drohende Gefahr schleunigst aufmerksam zu machen.“

Der Oberprofos rief mit donnernder Stimme nach seinem Rosse, warf ein Stück Geld für die Zeche hin, schwang sich unter gräßlichen Flüchen über die dumme, faule, unvorsichtige Bestie von Stockmeister auf, und sprengte mit verhängten Zügeln Dresden zu.

XXVIII.
Der Ausbruch der Baugefangenen.

Was sollen länger wir hier weilen?

Nur muthig drauf, ein rastlos Feilen

Eröffnet uns der Freiheit Thür —