Und ganz in Flammen lodern.
Th. Körner.
Auf raschen Schwingen durchflog ganz Sachsen die Trauerkunde, daß Lips Tullian, das Oberhaupt der schwarzen Garde, es gewesen sei, der unerkannt, unter falschem Namen, auf dem Festungsbau zu Dresden gekarret und mit den Gefährlichsten seiner Bande durch den kühnsten Ausbruch sich frei gemacht habe.
Vom Dresdner Oberamte aus ergingen an alle Gerichte, an die Dorfgemeinden strenge Befehle, alle verdächtigen Leute aufzugreifen, und, im Falle Tullian oder einer der in den Steckbriefen bezeichneten Räuber darunter erkannt würde, selbe gleich nach Dresden in schweren Banden und unter zahlreicher Bedeckung abzuliefern.
Auf Tullians Verhaftung war ein Preis von 200 Dukaten in Gold, und von 300 sächsischen Thalern auf die Einfangung eines jeden der mit ihm Entwichenen von der Landesregierung ausgesprochen.
In einem kleinen Walde, nahe bei dem Dorfe Libert, bemerkte ein Bauer, der bei Nacht von einem Geschäftsgange zurückkehrte, ein Feuer. „Das könnte wohl der Tullian mit seinem Gesindel sein,“ dachte er, und schlich, durch die Begierde nach dem ausgesprochenen Preise ermuthigt, dem Wäldchen zu. Unbemerkt kam er dem Feuer so nahe, daß er 8 Menschen zählte, wovon einige schliefen, die andern plauderten und einer großen Flasche tüchtig zusprachen.
Der Bauer schlich mit aller Vorsicht durchs Hölzchen zurück, lief aus Leibeskräften nach dem Dorfe, weckte in aller Stille die Muthigsten von seinen Nachbarn, kündigte ihnen die Nähe sehr verdächtiger Leute, wahrscheinlich des Tullians mit seinen Fluchtgefährten, an, und forderte sie mit großer Beredtsamkeit zur Aufhebung des Gesindels und zum Gewinn der zugesicherten Preise auf.
Mehr als 30 rüstige Männer hatten sich schnell mit Flinten, Gabeln und Knitteln bewaffnet. Es wurde Rath über den Angriff gehalten und die meisten Stimmen sprachen: die eine Hälfte solle das Hölzchen umstellen, die andere geradezu auf das Gesindel losgehen, und, ohne viel zu fragen, gleich auf selbes feuern, stechen und schlagen. Die Männer zogen so still als möglich zum Angriff aus.
Das Hölzchen war umstellt, schweigend, aber rasch schlichen nun die Uebrigen dem Feuer zu. Ihr Anführer, ein ehemaliger Dragoner, hatte die gespannte Flinte im Arm. Er blieb mit dem Fuße an einer Baumwurzel hängen, schlug nieder und die Flinte ging los.
Der Schuß hatte die verdächtige Gesellschaft schnell auf die Beine gebracht.