Auf eine schreiende Aufforderung Ehlers’ schaute ich nach rechts. Er erhob die linke Hand, winkte nach hinten, rief und sprang vor. Ich stand schwerfällig auf und folgte laufend. Meine Füße brannten von der vorhergehenden Nacht noch immer wie Feuer, das Blut war jedoch von den Strümpfen aufgesogen und der stechende Schmerz hatte nachgelassen.

Ich hatte keine zwanzig Schritt gemacht, da blendete mich, als ich aus einem Trichter wieder auftauchte, das brennende Licht eines Schrapnells, das keine zehn Schritt vor mir in drei Meter Höhe auseinandersprang. Ich fühlte zwei dumpfe Schläge gegen Brust und Schulter. Automatisch fiel mir das Gewehr aus der Hand, ich brach, den Kopf nach hinten, zusammen und kollerte in den Trichter zurück. Verschwommen hörte ich noch die Stimme Ehlers, der im Vorbeilaufen rief: „Den hat’s erwischt.“

Er sollte den nächsten Tag nicht beenden. Der Vorstoß mißlang, und er wurde beim Zurückspringen mit all seinen Begleitern getötet. Ein Schuß durch den Hinterkopf setzte dem Leben dieses tapferen Offiziers ein Ende.

Als ich nach einer langen Ohnmacht erwachte, war es ruhig geworden. Ich versuchte mich aufzurichten, empfand jedoch heftigen Schmerz in der rechten Schulter, den jede Bewegung des Armes verstärkte. Der Atem ging kurz und stoßweise, die Lunge konnte nicht genug Luft schaffen. „Prellschuß an Lunge und Schulter“, dachte ich, warf Sturmgepäck, Koppel und in einem Zustande völliger Apathie auch die Gasmaske fort. Den Stahlhelm behielt ich auf und hängte die Feldflasche an den Taillenhaken.

Nach fünf Schritten blieb ich in einem Nebentrichter regungslos liegen. Nach vielleicht einer Stunde versuchte ich das zweite Mal fortzukriechen, da das Feld schon wieder von leichten Trommelfeuern überschauert wurde. Auch dieser Versuch mißlang; ich verlor meine Feldflasche und versank in eine unendliche Erschöpfung, aus der mich nach langer Zeit das Gefühl brennenden Durstes erweckte.

Es begann leise zu regnen. Mit dem Stahlhelm gelang es mir, ein wenig schmutziges Wasser zu sammeln. Ich hatte jede Orientierung verloren. Ein Gewitter zog auf, seine Donnerschläge wurden übertönt von dem einsetzenden Lärm eines neuen Trommelfeuers. Ich drückte mich an die Trichterwand. Ein Lehmklumpen traf meine Schulter, schwere Splitter fegten über meinen Kopf dahin. Allmählich verlor ich auch den Sinn für die Zeit.

Einmal tauchten zwei Leute auf, die in langen Sprüngen über das Feld setzten. Ich rief sie an; sie verschwanden, ohne auf mich zu hören wie Schatten in den Nebeln. Endlich kamen drei Leute gerade auf mich zu. Ich erkannte in dem mittleren den Unteroffizier vom Tage vorher. Sie nahmen mich mit zu einer kleinen Hütte, die in der Nähe stand, vollgestopft von Verwundeten, die von zwei Sanitätern gepflegt wurden. Ich hatte 13 Stunden im Trichter gelegen.

In einer Ecke erkannte ich Bachmann, der, seinen Schmerz verbeißend, krampfhaft sein zerschossenes Knie hielt. Wir unterhielten uns abgebrochen; manchmal, wenn jemand ihn anstieß, stöhnte er leise.

Fortwährend arbeitete das gewaltige Feuer fort. Granate auf Granate schlug neben uns ein, häufig das Dach mit Sand und Erde überschüttend. Man verband mich, gab mir eine neue Gasmaske, ein Brot mit grober, roter Marmelade und ein wenig Wasser. Der Sanitäter sorgte für uns wie ein Vater.

Die Engländer begannen vorzudringen. Sprungweise näherten sie sich und verschwanden in den Trichtern, wie ich aus draußen erschallenden ängstlichen Ausrufen schloß.