Er verneigt sich und tritt an den Flügel.
Was soll ich spielen?
Das überlasse ich Ihnen.
Er sitzt einen Augenblick still mit tiefgesenktem Kopf. Dann fällt seine Hand wuchtig auf die Tasten ... die ersten Akkorde der Pathétique. Er kann spielen ... aber ich habe die Sonate zu oft gehört, selbst zu oft gespielt, als daß sie mich noch interessierte. Er kann mich nicht sehen. Eben beginnt er das Adagio. Sehr schön. Nur für mein Gefühl zu langsam, zu zart. Ich bin gespannt, ob er dem Presto die nötige Schärfe, ich möchte sagen ein gewisses sarkastisches Weh geben wird. Der erste Blitz – ein Krachen und Prasseln – mein Graf läßt sich in seinem Adagio nicht stören. Daß ihm nicht einfällt, ich könnte ohnmächtig geworden sein ...
Er ist zu Ende.
Wollen Sie mir nicht auch etwas vorspielen, gnädige – Frau? – – –
Ein paar übermäßige Akkorde, und weiter, weiter – sehnsüchtig träumende, wild erregte Volksmelodien, slavische! Und das trotzige Verlangen in mir, diesen Knaben zu zwingen, giebt meinem Spiele eine nie besessene Leidenschaftlichkeit, gesteigert durch alle Tollheiten moderner Virtuosität. Er steht neben mir; sein trockner heißer Atem fliegt mir über die Stirne. Ohne ihn zu sehen, fühle ich, wie er mit sich kämpft. Das schwüle, gewitterdämmrige Zimmer, die verhüllte Sinnlichkeit der Töne ... mit emporgehobenen Armen fällt er vor mir auf die Knie:
Thea!
Sein Herz sieht mich an und spricht zu mir. Ohne Worte. Und ich sitze still und traurig mit müden Augen vor ihm, bis er nach meiner Hand greift. Da stehe ich auf. Meine zitternden Finger drücken wie unversehens die Tasten nieder: E-Moll-Akkord.
Gute Nacht!