Ossi! –
Doch er hört's. Mit einem Sprung ist er bei mir. Und ich schlage meine schimmernden Augen zu ihm auf:
Du!
Vergraben das Gesicht in die Falten meines Kleides, wortlos, nur süße wilde gebrochene Laute murmelnd; dann mit einem tolljauchzenden Schrei aufspringend, mich mit seinen Armen hoch emporhebend – dieser Knabe! Er preßt mich an seine Brust, küßt mich mit entsetzlicher Glut, mit taumelnder Innigkeit. Aber mein Körper bleibt kalt wie meine Seele. Ich empfinde keine andre Wollust, als daß seine atmende Trunkenheit an mir abrinnt, wie das Wasser vom glatten Leib einer Schlange. Er setzt sich auf einen Baumstumpf und hält mich auf seinen Knieen.
Wie schön du bist, wie schön! Ich habe nicht gewußt, daß ein Weib so schön ... ich habe ja keines gekannt. Nur ein Kind ... ach wie das vorbei ist, so vorbei. Nur du! Nur du!
Dann sieht er mich eine Weile stumm an. Wie ein Kind mit vorsichtiger Neugier sein Spielzeug, so berührt er meine Haare, meine Stirn, meine Wangen mit seinen Fingern. Dann mit seinen Lippen. Minutenlang ruhen sie auf den meinen, daß mir der Atem zu vergehen droht.
Weißt du, daß ich Gedichte an dich gemacht habe? Willst du sie hören?
Ich schlinge meinen Arm um seinen Nacken und er flüstert mir ins Ohr. Ueberschwängliche Poesie, für die mir jedes Verständnis abgeht. Aber meine Arme zittern und mein Mund haucht ihm zu:
Seine liebende Eitelkeit jauchzt auf, und wie einen farbigen Regen schüttet er mir rückhaltlos seine innersten Gedanken in den Schoß. Er hat Philosophie studiert. Aber er will ein Dichter werden. Ein echter Dichter. Nur das Große, Herrliche, Gewaltige will er den Menschen vorführen. Nun, da er mich gefunden, nun wird er das Höchste erreichen. Die Liebe, die Liebe! Die große, einzige, göttliche Liebe, sie ist ihm alles, Leben und Sterben.