Einen Moment ist mir doch bange. Ich glaube, er stirbt. Auf seinen Lippen stehen zwei Blutstropfen. Ich fühle sehend, wie eisig seine Hände werden. Da lösen sich seine zusammengeklebten Finger. »Meine Ehre, meine Ehre!« Und in jähem Umschlag, rauh, brutal:

Wohl, wenn Sie den Mut haben, eine Dirne zu zu sein, so werde ich den Mut finden – ein ehrlicher Mann zu bleiben. A – Dieu, Baronin!

Welch infame Ironie! Sie trifft mich mehr als die rohe Beleidigung. Er schreitet weiß und kalt zur Thüre hinaus. Die schwere Portière fällt wie ein Grabtuch hinter ihm zu.

9. August.

Life is a comedy to those who think, a tragedy to those who feel. Ich denke. Das geschriebene Lebenskapitel muß doch einen Schluß bekommen.

Diese vierzehn Tage waren – dégoûtants. Und noch liegt's in der Luft wie Leichengeruch ...

Fritzl traf an dem verhängnisvollen Tag einige Stunden früher ein, als ich erwartet. Sehr braun und verwildert, besten Humors, und galanter gegen mich als je. Daraus schloß ich, daß er mit irgend einem hübschen Gebirgskind ein kleines Abenteuer gehabt. Er ist vernünftig genug, es nicht einzugestehen, sondern durch doppelte Liebenswürdigkeit gut zu machen. Ganz mein Grundsatz. Eine seiner ersten Fragen galt dem Grafen. »Wie vertragen?« Ich zuckte die Achseln:

Nicht gut, nicht schlecht. Heute ist er beleidigt. Er lud mich zu einer Tour nach Garmisch ein. Ich schlug natürlich aus, da ich Dich erwartete. Er muß übrigens bald zurückkommen.

Heinrich, der eben eintritt, bemerkt:

Entschuldigen Frau Baronin, aber der Herr Graf sind nicht nach Garmisch gefahren, sondern haben den Wagen abbestellt und sind in den Wald gegangen.