Und er ist für Dich gestorben! Geh, geh!

Boten werden mit Telegrammen nach Baadersee hinuntergeschickt; das Haus ist die ganze Nacht in Unruhe. Fritz weicht nicht von dem Toten. Einmal schleiche ich an die Thür. Sie ist halb geöffnet. Er geht ruhelos auf und ab. Mein armer Junge, flüstert er, und dann wieder: Und meine Schuld, meine Schuld.

Am nächsten Tage Telegramme aus Paris und München. Der alte Graf kann nicht kommen. Fritz möchte das Begräbnis übernehmen. Wo, sei gleich. Fritz lachte bitter: Der muß seinen Jungen ja recht lieb gehabt haben. – Anders der Bescheid des Professors. Er wird kommen.

Noch ein Tag und noch einer. Das Begräbnis. Auf einem tannenumrauschten Hügel am See. Eine Menge Menschen sind aus der Umgegend gekommen. Bauern aus Baadersee, Krainau, Garmisch und Partenkirchen. Und die Fremden, die sich gerade dort aufhalten. Ein Zeitungsreporter macht sich Notizen ins Taschenbuch. Alle sind sehr neugierig und sehr wenig betrübt, bis auf die Professorsfamilie. Ich war nicht wenig gespannt, meine ci-devant Rivalin zu sehen. Ein gescheit-hübsches, pikanterieloses Gesicht. Die Figur nicht übel, doch zu wenig geschnürt. Nur das Haar sehr schön und reich. Die Mutter gutmütig, natürlich, ein Muster von Anständigkeit, mit breiter Taille und Doppelkinn. Der Vater schweigsam und unhöflich. Nach der schrecklichen Grabrede des Dechanten von Oberkrainau gingen wir zurück in unsre Villa. Fritz hatte die Professorsfamilie zu Tisch gebeten. Man saß unbehaglich und appetitlos beisammen. Die Frau Professor konnte ihre Thränen nicht zurückhalten. Die Kleine weinte nicht. Das gefiel mir eigentlich. Fritz und der Professor sprachen zusammen.

Es war ein so begabter Junge. Ich setzte große Hoffnungen auf ihn. Noch zu leidenschaftlich und überspannt, aber ich dachte immer: Laß sich den Most auch noch so toll geberden, es giebt zuletzt doch noch 'nen Wein. Im Herbst wollte er seine Gedichte herausgeben, und nun ...

Ich habe alles, was sich in seinem Schreibtisch fand, zusammenpacken lassen, sagte Fritz. Und hier das Notizbuch, welches er in der Tasche trug – Ich erschrecke – man kann aber nichts mehr erkennen, das Wasser hat es vollständig ruiniert.

Ich atmete auf.

Das Mädchen flüsterte mit ihrer Mutter. Diese schien abzuwehren:

Warum denn, Jella, warum!

Ich bog mich hinüber.