In Holland sind eine große Reihe tüchtiger Karikaturisten an der Arbeit, den Krieg im Bilde festzuhalten. Für den „Amsterdammer“ zeichnet seit 1887 der 1858 geborene Johan Braakensiek wöchentlich etwa zwei Satiren über aktuelle politische Ereignisse, in nicht gerade übermäßig witziger, oft eher hausbackener Art. Im Bestreben, nirgends anzustoßen, bleibt er meist sehr korrekt. Das Beste, was er geschaffen hat, ist der Totenkopf-Schmetterling ([Abb. 23]) mit der Unterschrift „Geht fort, wir wollen gegen Unbewaffnete nicht kämpfen“. Von ihm rührt auch die in [Abb. 1] wiedergegebene Lithographie her, die kurz nach Ausbruch des Krieges erschien; der Tod redet den ermordeten Erzherzog an: „Königliche Hoheit, ich habe geglaubt, eine Fürstlichkeit wie Sie darf nicht ohne Gefolge reisen“ (nämlich nicht ohne Gefolge ins Jenseits, daher im Hintergrunde die Schemen der Gefallenen). Nur einmal hat Braakensiek sein Phlegma verloren, das war nach dem Untergang der Lusitania, auf den [später] noch besonders eingegangen werden soll.

Der Wochenschrift „De Amsterdammer“ ist in dem „Nieuwe Amsterdammer“, der Anfang 1915 gegründet wurde, eine schwer ins Gewicht fallende Mitbewerberin erwachsen. Das neue Blatt hat es verstanden, sich einen der allerbedeutendsten Karikaturisten Hollands, Piet van der Hem, als dauernden Mitarbeiter zu sichern. Die Reihe der großen farbigen Blätter, die er für die genannte Zeitschrift geliefert hat, gehören zum Besten und Stimmungsvollsten des ganzen Krieges, so zum Beispiel die „Versuchung des heiligen Antonius“ ([Abb. 6]), dann das Blatt, das nach dem Untergang der Lusitania entstand und in das Redaktionsbureau einer deutschen Zeitung versetzt ([Abb. 66]), vor allem aber auch ein Blatt „De nieuwe Dood“ ([Abb. 73]). Viele dieser Zeichnungen sind von tiefem sittlichen Ernst erfüllt.

Abb. 26. „Mr. (or Herr) Bernard Shaw“.

Aus „In Gentlest Germany“ ill. von George Morrow.

Für das Wochenblatt „De Notenkraker“, einer Beilage der bekannten sozialdemokratischen Zeitung „Het Volk“, arbeitet der an die deutschen Simplicissimuszeichner erinnernde Albert Hahn; in knapper Form und ohne viel Beiwerk gibt er seinen Gedanken bildlichen Ausdruck. Ihm erscheint der Krieg nicht als das Werk eines einzelnen, er sieht die Dinge von einer höheren Warte. In [Abb. 22] polemisiert er gegen die Verwendung der Reimser Kathedrale als militärischen Stützpunkt durch die Franzosen. Die gleiche Absicht leitet E. Nunes in den „Meggendorfer Blättern“ ([Abbildung 21]).

Abb. 27. Jordaan: Der Suezkanal.

Deutschland zur Türkei: „Packe ihn an der Gurgel!“

(De Notenkraker, Amsterdam.)