Es ist eigentlich jammerschade, daß das bedeutendste französische Witzblatt (und man kann wohl sagen: die bedeutendste Karikaturen-Zeitung der Welt überhaupt), die „Assiette au Beurre“ bereits vor mehreren Jahren ihr Erscheinen eingestellt hat. Es wäre doch sehr wichtig gewesen, gerade sie unter der Kriegsliteratur vertreten zu sehen. — Und dabei denkt man unwillkürlich ein bis zwei Jahrzehnte zurück, an die Zeit, als sich die ganze Schärfe des französischen Witzes mit aller Wucht und allem Haß gegen die jetzigen Verbündeten Frankreichs, die Briten, wandte, als sogar Sondernummern gegen die Engländer herausgegeben wurden, wie namentlich zur Zeit des Burenkrieges. Derselbe Willette, der sich heute in gehässigen Kartons gegen die deutschen „Barbaren“ nicht genug tun kann, brachte damals ein Blatt, auf dem der Tod die abgemagerte Britannia davonträgt. Darunter stand zu lesen: „Der Tag, an dem das perfide Albion verreckt, wird ein Freudentag der Menschheit werden!“ — Aber auch später haben die Pariser Witzblätter sich noch weidlich über England lustig gemacht. So nach den letzten englischen Manövern, die wegen totalen Wirrwarrs und weil niemand mehr ein und aus wußte, schließlich abgebrochen werden mußten. — Vielleicht ist die Zeit nicht allzu fern, wo sich die Stifte der französischen Zeichner wieder gegen jenen Feind wenden werden, der die Ursache der „Schmach von Faschoda“ war. Dann wird Frankreich einsehen, wie treffend die Situation jene als [Abbildung 74] wiedergegebene Karte charakterisiert, die aus dem deutschen Großen Hauptquartier im Westen stammt. Frankreich erntet eben die Früchte seiner Revanchepolitik und wird wohl schließlich die Hauptzeche zahlen müssen, wenn die Engländer die Absicht haben, bis zum letzten Franzosen zu kämpfen.

Abb. 76. Métivet: Welches ist denn nun der „Kriegsfuß“?

(Le Rire, Paris, Juli 1914.)

LE SILENCIEUX: JOFFRE

Abb. 77. Charles Léandre, Le Silencieux: Joffre. Il ne dit rien, mais chacun l’entend.

(Le Rire Rouge, Paris.)

Eine andere Karte mit französischem Text hat das deutsche Große Hauptquartier im Westen sich von Trier zeichnen lassen. Sie zeigt einen Engländer, der im Blute watet und die darin ertrinkenden Franzosen mit folgenden Versen anredet (dieser Engländer scheint übrigens eine Ausnahme zu sein, denn die wenigsten, nicht einmal Herr Grey, beherrschen eine andere Sprache, als die englische):

Dans ce sang, versé pour me plaire,
Vous vous noyez? Goddam, tant pis!
Rappelez-vous, ce que Voltaire,
Un des vôtres, un très fin esprit,
A dit de l’histoire d’Angleterre;
„On y voit“, pretend ce grand homme,
„Le sang couler comme de l’eau,
Elle pourrait aussi bien en somme,
Etre écrite par un bourreau!“