Die nächsthöhere Klasse der chinesischen Bankiers sitzt schon in eigenen Läden, die mit dem Gott des Handels, einer abscheulichen bärtigen Puppe, mit phantastischen Gewändern angethan, geschmückt sind. Der Gott des Handels muß ja Glück bringen. In den Geschäften Cantons sind diese Fratzen in Nischen nahe der Decke im Hintergrund des Ladens aufgestellt, und eine brennende Lampe davor soll den bezopften Götzen wach erhalten. Vorn, gegen die Straße zu, befindet sich der Ladentisch mit Silberwage, Rechenbrett und einigen Körben für das Silber, denn diese Klasse von Bankiers hat mit Kupfermünzen wenig mehr zu thun. Sie haben, wie alle anderen Berufszweige, auch ihre eigenen Vereinigungen oder Klubs mit gedruckten Vorschriften, die bei schweren Geldstrafen genau befolgt werden müssen. In ihnen wird z. B. den einzelnen Mitgliedern vorgeschrieben, dieselben Zinsen und Gebühren zu berechnen und einander nicht zu unterbieten.
Die Hauptgeschäfte dieser kleinen Bankiers sind denen ihrer europäischen Kollegen nicht unähnlich, nur berechnen sie für Darlehen, Wechsel, Checks und dergleichen erheblich mehr als die letzteren. Ein fester Zinsfuß besteht selbstverständlich in China nicht, und die Zinsen richten sich beispielsweise bei Darlehen ausschließlich nach der Stellung desjenigen, der ein Darlehen aufnimmt. Genießt er Ansehen und guten Ruf, so braucht er „nur” ½ bis ¾ Prozent im Monat zu bezahlen, oder 8 bis 10 Prozent im Jahre. Papiere, Schuldscheine und ähnliches werden nicht verlangt. Das Wort des Betreffenden oder höchstens noch eines Bürgen genügt. Andere, weniger „gute” Kunden haben 12 bis 14, ja noch mehr Prozente zu bezahlen. Die Bankiers nehmen auch Depositen an, für welche sie etwa die Hälfte der Darlehnszinsen bezahlen. Sind die Geschäftsleute vertrauenswürdig, so können sie auch mehr ziehen, als ihr Guthaben ausmacht, je mehr, desto besser, weil sie ja hohe Zinsen dafür zu zahlen haben. Vertrauen spielt in China vielleicht noch eine größere Rolle als bei uns, und entschieden wird dort viel weniger geschrieben. Geldanweisungen oder Wechsel werden ziemlich allgemein, wenigstens in den Provinzen, in denen sie ausgestellt wurden, als Zahlung angenommen und gehen durch verschiedene Hände. Die Chinesen haben eigentümlicherweise dreierlei Schreibarten für Ziffern. Wie wir etwa die arabischen und römischen Ziffern haben, so besitzen sie für den gewöhnlichen Gebrauch recht einfache Ziffern, z. B. für eins
, zwei
, drei
, zehn