und so fort; hundert, tausend und zehntausend setzen sie aber nicht wie wir aus den Grundzahlen zusammen, sondern sie besitzen eigene Zeichen dafür, denn sie haben keine Null. Für Wechsel und Checks verwenden sie viel kompliziertere Schriftzeichen, und eine dritte noch schwierigere Art dient für bedeutende Summen, Urkunden und dergleichen.
Ein chinesischer Wechsel besteht aus einem Streifen zähen Papiers, auf welchem allerhand schwarze, rote und blaue Schriftzeichen aufgemalt und aufgestempelt sind. In Blau prangt der Name des Bankiers und das Datum, in Schwarz jener des Ausstellers und der Betrag, in Rot werden die Unterschriften jener gemacht, durch deren Hände der Wechsel geht. Die Bankfirma drückt, bevor sie den Wechsel aus ihrem Buche reißt, ihren Stempel derart auf, daß die eine Hälfte auf den Wechsel, die andere auf den entsprechenden Coupon fällt, und von diesem Stempel und dem Namen oder der Stellung der Firma hängt auch der Wert des Wechsels ab. Die Provision für den Bankier beläuft sich auf 3 bis 4 Prozent.
In verschiedenen Städten haben die kleineren Bankiers das Recht, Banknoten auszugeben, ohne irgendwelche staatliche Kontrolle, aber sie sind doch gehalten, wenigstens die Hälfte des Wertes ihrer im Umlauf befindlichen Banknoten in Bargeld zu besitzen. Die kleinste Banknote lautet auf 400 Cash (nach dem gegenwärtigen Kurse beiläufig eine Mark), die höchste auf 500 Tiao. Für falsche Banknoten sind die Bankhäuser nicht haftbar.
Tiau-Banknote in Schantung (natürl. Größe).
Am wichtigsten sind für den Europäer die großen chinesischen Banken, deren sich in jeder Stadt mehrere befinden, und die auch mit den europäischen Banken der offenen Häfen in regem Geschäftsverkehr stehen. Das Kapital dieser Banken wird entweder von den Firmeninhabern selbst aufgebracht, oder es beteiligen sich große Kaufleute und Aktionäre daran, ganz wie bei uns. In den offiziellen Berichten der Zollbehörden an die Zentralstelle in Peking fand ich das Kapital der Mehrzahl dieser „großen” Banken durchschnittlich mit 20000 bis 150000 Taels angegeben; das größte Kapital besitzen mehrere Canton-Banken mit 500000 Dollars. Leider hat die Zollbehörde in Shanghai in den letzten bis auf 1880 zurückreichenden Berichten unterlassen, von den dortigen Banken zu sprechen, denn Shanghai ist unzweifelhaft der wichtigste Handelsmittelpunkt des chinesischen Reiches, dasselbe, was die Londoner „City” für England und seine Kolonien ist. Es wäre möglich, daß in Shanghai eine oder die andere chinesische Bank ein Kapital besitzt, das eine Million und mehr erreicht.
Von diesen „großen” Banken sind in den verschiedenen Hafenstädten die Haikwanbanken die wichtigsten, denn diese befassen sich mit den Einzahlungen der Zölle an die Zollämter und der Absendung der Zolleinnahmen nach Peking resp. Tientsin. Die Zölle dürfen nicht in gewöhnlichen Provinz-Taels, sondern nur in vollwertigen, gesetzlich bestimmten Taels einbezahlt werden, und daher auch der Name Haikwan tael, der in der letzten Zeit in den europäischen Zeitungen häufig zu lesen war. In den Europäern nicht geöffneten Städten nehmen diejenigen Banken die erste Stelle ein, welche die Steuern, Likin, Abgaben für Opium und Salz einkassieren, die Beamtenbesoldungen ausbezahlen und die Einnahmen der einzelnen Distrikte nach Peking remittieren. Diese Banken sind nicht etwa Staatsbanken. Gewisse, das Vertrauen des Gouverneurs oder Taotais genießende Bankhäuser werden eben mit den Regierungsgeschäften betraut. Möglicherweise haben sie sich diese Stellung durch Bestechung der Beamten erworben, oder die letzteren beteiligen sich an dem Gewinn. Da sie das größte Ansehen genießen, werden ihnen häufig auch die Gelder von kaufmännischen oder Wohlthätigkeitsgesellschaften, Waisenhäusern und Spitälern zur Verwaltung gegeben. Sie zahlen für Depositen weniger Zinsen und sind überhaupt konservativer als die gewöhnlichen Banken. Ihnen zunächst im Ansehen und Vertrauen kommen die sogenannten Schansibanken. Sie führen diesen Namen deshalb, weil ihre Leiter durchwegs aus der Provinz Schansi im Norden Chinas stammen; auch ihre Angestellten sind größtenteils aus der gleichen Provinz, womöglich sogar aus demselben Orte. Die Hauptsitze dieser Schansibanken befinden sich in den größten Städten Chinas, und von dort werden in kleineren Städten und Hafenplätzen Zweigbanken gegründet. Wie groß das Vertrauen ist, das man diesen Schansileuten entgegenbringt, geht aus der Thatsache hervor, daß die Zweighäuser häufig ohne irgend welches Kapital gegründet werden. Kaum hat die Bank ihre Thüren geöffnet, so erhält sie schon Depositen, mit denen sie ihr Geschäft betreibt.
Das Zunfthaus der Cantoner Kaufleute in Futschau.