Die wissenschaftlichen Werke, Uebersetzungen europäischer Werke und auch manche einheimische werden in den letzten Jahren ganz so gedruckt und gebunden wie die europäischen Originale: steifer Deckel und Leinwandrücken mit Golddruck.
Ueberraschend schnell hat sich in Japan das Zeitungswesen entwickelt. Im Jahre 1864 wurde das erste Blatt in japanischer Sprache gegründet und hatte in der ersten Zeit mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dennoch entstanden bis zum Jahre 1874 weitere zehn Zeitungen, die indessen nicht regelmäßig erschienen und keine selbständigen Nachrichten, sondern nur Uebersetzungen aus den englischen Tagesblättern brachten. Redakteur und Herausgeber, Nachrichtensammler, Drucker und Austräger waren in einer Person vereinigt. Erst nach der Revolution, mit dem Beginn der neuen Aera, entwickelte sich das Zeitungswesen und umfaßt heute 600 regelmäßig erscheinende Blätter. Tokio allein hat über zwanzig Tagesblätter mit zusammen einer Viertelmillion Auflage, ferner 130 Wochen- und Monatsschriften mit zusammen einer halben Million Auflage.
Unter den bedeutenden einheimischen Tageszeitungen steht der offiziöse Nitschi Nitschi Schimbum (Die neuesten Nachrichten) an der Spitze. Er beschäftigt über hundertundfünfzig Personen, darunter einen Chef-, einen politischen, fünf Hilfsredakteure, zwölf Berichterstatter, zwei Stenographen, nur vier Setzer, deren jeder allerdings mehrere Gehilfen hat, dagegen zwölf Drucker. Wie bei fast allen japanischen Blättern bildet auch bei diesem das Reportertum den wundesten Punkt. Da die Reporter nach der Zeile bezahlt werden, und zwar sehr schlecht, so besteht der größte Teil der von ihnen berichteten Neuigkeiten aus Gebilden der eigenen Phantasie. Trotzdem verdienen sie durchschnittlich nur vierzig Mark monatlich. Sehr hervorragend sind unter den hauptstädtischen Zeitungen ferner der radikale Dschidschi Schimpo (Unsere Zeit) und der Hotschi Schimbun, das Organ des Grafen Okuma. Der Dschidschi Schimpo hat die Besonderheit, fortwährend große Reformpläne vorzubringen, die sich auf dem Papier sehr gut ausnehmen, denen es aber an Berührungspunkten mit dem praktischen Leben fehlt.
Großes Ansehen genießen auch der liberale Mainitschi Schimbun (Tägliche Neuigkeiten), der Herrn Nüma gehört, dem Vorsitzenden des Parlaments, dann der ebenfalls freisinnige Tschoja Schimbun (Amts- und Volksnachrichten), der konservative Tokio Dempo (Jedoer Telegraph), welcher als das Organ des früheren Handelsministers Generals Tami gilt, endlich der radikale, von einem japanischen Mitglied des britischen Barreaus redigierte Koran Schimpo (Oeffentliche Meinung), das Sprachrohr des Chauvinisten Grafen Itagaki und des Grafen Goto, eines strebsamen Politikers, der sich seit längerer Zeit vergeblich bemüht, die Führerschaft der radikalen Opposition zu erhalten. Uebrigens decken sich die Ausdrücke liberal, radikal, freisinnig in ihrer Anwendung auf japanische Zeitungen und Politiker vorläufig noch nicht mit dem, was man in Europa unter denselben versteht, denn einstweilen hat der blutjunge Parlamentarismus des Mikadolandes noch nicht zur endgültigen Bildung von bestimmten Parteien geführt.
Die Zensur ist zwar abgeschafft, aber die Presse hat, wie in Rußland, nicht wenig von den Behörden zu leiden. In einem Saale des Polizeigebäudes von Tokio sitzen zahlreiche Beamte, denen die Aufgabe obliegt, sämtliche einheimische Preßorgane nach Erscheinen auf Gesetzwidrigkeiten hin zu prüfen. Hat einer der mit Schere und Rotstift bewaffneten Herren etwas Verdächtiges erspäht, so legt er es seinem Chef vor, der seinerseits mit der Regierung sich ins Einvernehmen setzt. Wird es höhern Orts gewünscht, so ladet man den betreffenden Redakteur höflichst ein, bei der Polizei zu erscheinen, wo er dann ohne Umschweife die freundliche Mitteilung erhält, sein geschätztes Blatt sei auf so und so viele Tage und Wochen verboten. Nicht immer bleibt es bei dem Verbote, häufig kommt es auch zur gerichtlichen Verurteilung, zu Gefängnis. Um sich dieser Unannehmlichkeit zu entziehen, stellen viele Redakteure, was ja auch anderswo vorkommen soll, Strohmänner an, die gegen geringe Bezahlung und in Anbetracht eines beneidenswerten Müßigganges den Verantwortlichen spielen.
Scene aus dem Kriege Japans gegen China:
Fünf japanische Pioniere schlagen über hundert chinesische Soldaten in die Flucht.