Und aus dem Dienerzimmer flüsterte sich das, wie es ja stets geschieht, in die herrschaftlichen Zimmer hinüber: der Baron von Fahrenwald war verrückt.
Und wer, der ihn ansah, hätte zweifeln können, daß es wirklich also war?
Wenn die Thür sich aufthat und er hereintrat mit langsam schleppendem Schritt, ein langer, eckiger Mann, mit dunklem, fast schwarzem Haar, das bleiche, beinahe marmorweiße Gesicht von dunklem Barte umrahmt, dann legte es sich unwillkürlich wie ein Alp auf die Anwesenden, Wirte und Gäste, Herren und Damen.
Und dieser Bann ging hauptsächlich von den Augen des Mannes aus, die ganz tief, wie zwei dunkle tiefe Löcher in dem bleichen Gesichte lagen, und aus denen ein starrender, suchender, bohrender Blick hervorgekrochen kam, langsam, beinahe wie ein Wurm.
»Er sieht eigentlich kolossal interessant aus,« hatte die junge Komtesse Karmsdorf, als sie ihn zum erstenmal erblickte, hinter dem Fächer hervor zu ihren Freundinnen gesagt, »aber da man weiß, wie es mit ihm steht, ist es des Interessanten denn doch ein bißchen zu viel.«
Die Freundinnen hatten kopfnickend und kichernd bestätigt, daß es so sei, und als der Baron Miene machte, auf sie zuzutreten, waren sie samt und sonders, wie von einem panischen Schrecken erfaßt, nach einer andern Ecke des Saales entwischt, und es hatte nicht viel gefehlt, so hätten sie laut aufgekreischt.
So erging es dem Baron Eberhard von Fahrenwald. Die Wirte, die ihn eingeladen hatten, konnten sich seiner Begrüßung natürlich nicht entziehen. Aber wenn er alsdann mit schwerer, eckiger Verbeugung auf sie zutrat, sah man ihm an, wie wenig er in fröhlich ausgelassene Gesellschaft paßte. Er versuchte, sein Gesicht zu einem verbindlichen Ausdruck zurechtzulegen, zu lächeln, aber das Lächeln wollte sich so gar nicht mit dem bleichen, schwermütigen Gesicht verstehen, es sah aus, als thäte es ihm weh.
Beim Tanze blieb er Zuschauer, am Kartenspiel nahm er nicht teil, so blieb er einsam, und das wiederholte sich in jeder Gesellschaft, so daß man sich unwillkürlich fragte, wie lange er die zwecklosen Besuche und Versuche fortsetzen würde.
Offenbar fühlte er das selbst, denn der Ausdruck dumpfer Schwermut in seinem Gesichte verstärkte sich von einem zum andern Mal, seine Bewegungen wurden immer schleppender, es sah aus, als ermüdete der Mann unter der Last des Daseins.
So näherte sich der Winter seinem Ende. Ein großes Ballfest wurde gegeben, dem der Baron, einsam und teilnahmlos wie gewöhnlich, beiwohnte.