Das Mädchen schlüpfte hinaus, auf den Flur, die Treppe zum oberen Stockwerk hinauf. Sie kam gerade zurecht, um zu sehen, wie der alte Johann die Thür des Barons von außen verriegelte, wie er dann in sein Zimmer ging und mit der Laterne in der einen, dem Stock in der andern Hand wieder herauskam; unhörbar glitt sie die Treppe hinab, dann kam sie zu Anna zurückgelaufen.
»Gnädige Frau Baronin – eben hab' ich's geseh'n – der Johann hat den gnädigen Herrn eingesperrt – und ich glaube jetzt kommt der Johann herunter – und einen dicken Stock hat er mit sich – und er sieht aus, wie ich's gar nicht sagen kann – gar so fürchterlich – o Herr Jeses ne, Herr Jeses ne!«
Sie war ganz außer sich, ihr Atem flog, zu Annas Füßen niedergekauert, umschlang sie sie mit den Armen. Hülflos, ratlos drückten sich die beiden Frauen aneinander.
Nach einiger Zeit vernahmen sie ein dumpfes Geräusch; schwere Schritte stampften vom Bibliotheksaale heran. Dazwischen hörten sie eine Stimme; es sprach jemand ganz laut.
Das Mädchen beugte lauschend den Kopf vor.
»Das ist der Johann,« flüsterte sie.
Anna saß, wie in Eis gebadet.
»Mit wem spricht er denn nur?«
Das Mädchen zuckte die Achseln und schüttelte den Kopf.
Jetzt konnte man schon einzelnes von dem verstehen, was er sagte: »Aber tot muß sie sein! Muß sie sein! Lebendig aus'm Haus lass' ich sie nicht! Lass' ich sie nicht!«