Wie sah es hier aus! Ein Leuchter lag am Fußboden; das Licht war nicht erloschen, die Flamme hatte schon angefangen, ein glimmendes Loch in das Parkett zu brennen, und einige Schritte weiter war noch etwas, etwas lang Hingestrecktes, Weißes, das sich jetzt stöhnend zu regen begann, die junge Frau Baronin, die nur mit dem Hemde bedeckt, mit aufgelöstem Haare ohnmächtig am Boden lag.
Bei dem Anblick brachen dem Mädchen die Thränen aus den Augen. Sie hob das schwälende Licht auf, kniete zu ihrer Gebieterin nieder und nahm ihren Kopf in ihren Schooß.
»Gnädige Frau Baronin,« sagte sie, »Frau Baronin, Frau Baronin!«
Anna schlug die Augen auf, und als sie die Jungfer erkannte, klammerte sie sich um ihren Hals.
»Hilf mir!« seufzte sie, »hilf mir!«
Das Mädchen riß den Mantel ab, den sie um die Schultern geworfen hatte, und verhüllte damit die schutzlosen Glieder ihrer Gebieterin, dann umfaßte sie sie unter den Achseln und half ihr aufstehen. Aengstlich aneinandergeschmiegt wanderten die beiden Frauen nach Annas Schlafgemach zurück.
Hier sank Anna auf einen Stuhl, wie in Betäubung vor sich niederstarrend. Das Mädchen holte ihre Kleidungsstücke heran und begann sie anzuziehen; eine Ahnung sagte ihr, daß man sich auf weiteres gefaßt zu machen hatte und daß man sich rüsten müsse. Anna ließ sie schweigend gewähren.
»Wo ist denn mein Mann?« fragte sie nach einiger Zeit.
»Der Herr Baron? Ich weiß nicht,« versetzte das Mädchen. »Soll ich einmal nach ihm seh'n?«
»Ja, ja,« sagte Anna.