»Frau Baronin,« sagte sie, »Frau Baronin, kommen Sie schnell, seh'n Sie, was er jetzt angibt.«

Sie warf Anna einen Mantel um, dann ergriff sie sie an der Hand und riß sie durch die dunklen Räume des Schlosses, über eine Hintertreppe in den Garten hinunter.

In einiger Entfernung vor ihnen schritt der Alte, die Laterne in der einen, statt des Stocks jetzt einen Spaten in der andern Hand. Im linken Arme trug er die weiße Kopfrolle aus Annas Bett, die infolge seiner Streiche mitten durchgeknickt war und in zwei bammelnden Enden über seinen Arm hing.

»Er glaubt, das sind Frau Baronin, die er da trägt,« stammelte das Mädchen Anna ins Ohr.

Anna blickte starr.

Das Mädchen zog sie am Arme und bedeutete sie, weiterzugehen; »aber leise,« mahnte sie, »leise!«

Mit angehaltenem Atem schlichen sie hinter dem Alten her, so weit entfernt, daß sie seine von der Laterne beleuchtete Gestalt gerade noch zu erkennen vermochten.

Jetzt sahen sie, wie er vom Wege in das Gebüsch abbog, und nachdem er sich einige Schritte weit hineingearbeitet hatte, blieb er stehen. An der Stelle, wo er sich befand, war eine kleine Lichtung im Dickicht, einige Fuß im Geviert. Er hing die Laterne an einen Ast, warf das Polster zur Erde, spuckte sich in die Hände und mit einem »nu jetzt aber 'mal« stieß er den Spaten in die Erde und fing an, eine Grube auszuwerfen.

Die beiden Frauen hatten sich bis an den äußeren Rand des Gebüsches herangemacht; sie verfolgten jede seiner Bewegungen.

Er arbeitete mit grimmiger Verbissenheit; ein dumpfes Grunzen begleitete jeden Spatenwurf. Dann richtete er sich auf, so daß das Licht der Laterne sich in seinen blutunterlaufenen, gräßlichen Augen spiegelte. Er raffte das Polster vom Erdboden auf, hob es mit beiden Armen empor und dann mit aller Gewalt schleuderte er es in das gähnende schwarze Loch, so daß man den dumpfen Puff vernahm, mit dem es unten aufschlug.