Er stierte in die Grube hinunter.

»Da gehste nein,« sagte er, »da bleibste und kommst all dein Lebtag nicht wieder heraus!«

Dann griff er wieder zum Spaten und schaufelte das Loch zu.

»Frau Baronin, kommen Sie fort,« flüsterte das Mädchen. Der Alte hatte sein Werk vollbracht, gleich würde er jetzt zurückkommen, auf die Stelle zu, wo die beiden standen. Sie wichen einige Schritte in dem dunklen Laubgang zurück. Durch das Dickicht brach er sich hindurch und an ihnen vorbei trottete er nach dem Schloß zurück.

»Jetzt meint er, hat er Frau Baronin begraben,« sagte das Mädchen.

Anna konnte nichts erwidern.

Die gutgemeinte aber plumpe Art, mit der ihre Begleiterin ihr all das Schreckliche, was sie erlebte und sah, noch einmal wiederholte, steigerte die Entsetzensqual, die auf ihr lastete, bis zum Unerträglichen; der Atem versagte ihr, sie schluckte, schluckte und schluckte noch einmal, dann taumelte sie und wäre ohnmächtig zur Erde gefallen, wenn sie nicht mit dem Rücken gegen einen Baumstamm gesunken wäre, und wenn nicht das Mädchen mit beiden Händen zugegriffen und sie aufrecht gehalten hätte.

Erst allmählich hob sich der Druck, der ihr wie ein eiserner Reif die Brust umspannte. Endlich vermochte sie tief Atem zu holen, und nun brach sie in einen endlosen Thränenstrom aus.

»Was soll ich jetzt machen?« schluchzte sie, »ins Schloß kann ich doch nicht mehr zurück!«

Vom Jammer überwältigt, kniete das Mädchen vor ihr nieder und umfing sie mit den Armen.