»Frau Baronin,« sagte sie flehend, »liebe, gutte, gnädige Frau Baronin, weinen Se och nich so! Gott is gutt, Gott wird Sie nicht verlassen! Ins Schloß dürfen Frau Baronin nicht zurück, das is ja klar; also will ich Frau Baronin etwas sagen: Frau Baronin gehen mit mir, zu meinen Eltern ins Dorf« – in ihrer Erregung hatte sie all ihr Hochdeutsch vergessen und war wieder ganz das schlesische Landmädchen geworden –, »meine Eltern haben halt nur a paar kleene Stiebchen, aber 's sind gutte Leite, gutte Leite! Frau Baronin können ganz gutt a paar Tage bei ihnen wohnen. A Bett für Frau Baronin find't sich schon und a Brinkel zum essen auch, und murne is wieder a Tag, und da werden wir schon weiter seh'n, schon weiter seh'n.«
Mit diesen Worten hatte sie Anna unter den Arm gefaßt und führte sie, die willenlos alles mit sich geschehen ließ, durch den Park auf das freie Feld hinaus und dann im weiten Bogen in das Dorf, zum Hause ihrer Eltern, wo sie in tiefer nächtlicher Stunde an die Fensterläden klopfte und die alten Leute aus dem Schlaf pochte.
Eine halbe Stunde später lag Anna im Bette der alten Tagelöhnersfrau, während diese und ihr Mann sich mit ihrer Tochter, der Franzel, nebenan in die Küche setzten und mit offenem Mund und Augen die fürchterlichen Dinge anhörten, die sich droben auf dem Schlosse begeben hatten.
Am nächsten Morgen saß Eberhard von Fahrenwald oben in seinem Zimmer, in einen Armstuhl geschmiegt, die Kniee mit einer wollenen Decke umhüllt, müde, gebrochen, wie ein plötzlich alt gewordener Mann.
Die Thür that sich auf, und der alte Johann erschien, eine Platte in Händen, auf der er ein Frühstück trug. Er setzte sie auf den Tisch neben seinen Herrn.
»Frühstücken Herr Baron jetzt!« befahl er.
Seine ehemalige demütige Haltung war nicht mehr; er stand neben seinem einstigen Herrn wie ein Aufseher bei einem Gefangenen.
Der Baron senkte die Augen, es sah aus, als fürchtete er sich vor seinem Diener.
»Frühstücken Sie,« gebot dieser noch einmal, und während Eberhard von Fahrenwald einige Bissen zum Munde zu führen versuchte, ging er, die Hände in den Hosentaschen, in den Zimmern auf und ab, die Fenster und Thüren untersuchend. Dann kam er zurück, um das Frühstück wieder abzuräumen.