Eberhard sah mit scheuen Blicken an ihm vorbei. Seine Hände zupften an der wollenen Decke; man merkte ihm an, daß eine Frage auf seiner Seele lag, die sich nicht über die Lippen getraute. Endlich kam sie heraus: »Wo – ist denn – meine Frau?«

Der Alte zuckte die Achseln, als verlohnte es sich nicht, auf solche Frage überhaupt zu antworten, und ging auf die Thür zu.

»Wo ist meine Frau?« wiederholte Eberhard mit heiserer Stimme.

Jetzt drehte der Alte die Augen zu ihm herum, die giftigen Augen.

»Denken Herr Baron denn immer noch daran? Wäre abgethan, die Geschichte, hätt' ich gemeint. Wär' schon am besten, Herr Baron fingen an, an andres zu denken.«

Eberhard ruckte und zuckte in seinem Stuhl; es sah aus, als ob er aufstehen wollte, aber der gefährliche Blick des Alten hielt ihn am Platze fest.

Beide sahen sich eine Zeitlang stumm in die Augen. Dann traten Schweißtropfen auf die Stirn des Barons; erst nur vereinzelt, dann immer mehr, immer dicker, so daß ihm der Schweiß plötzlich über das Gesicht zu laufen begann. Er wollte sprechen, aber es sah aus, als wären seine Kinnladen verrenkt.

»Aber – sie ist nicht –«

Er kam mit der Frage nicht zu Ende.

»Ja, versteht sich!« fiel ihm der Alte mit wüster Brutalität ins Wort. »Was soll sie denn sonst auch sein? Da können Herr Baron warten, eh' die wiederkommt!«