Sie erhob sich; zugleich mit ihr stand er auf.
»Ich werde auch gehen,« sagte er.
Sie senkte das Köpfchen und errötete.
Auf dem Flure draußen saß die Köchin, die sie erwartete. Eine Person mit groben, mißmutigen Zügen, der man ansah, wie wenig Vergnügen es ihr bereitete, daß sie, neben der gewöhnlichen Tagesarbeit, jetzt auch noch durch die Winternacht laufen mußte, um das »Fräulein« nach Haus zu bringen.
Ein Paar Gummischuhe standen neben ihr, die sie dem jungen Mädchen mit nicht übermäßiger Verbindlichkeit zuschob. Während Anna ihre kleinen, mit weißen Atlasschuhen bekleideten Füße in die Ueberschuhe zwängte, stand der Baron hinter ihr und sah zu. Die Köchin trat heran und gab ihr den Mantel um, ein dickes, schweres Kleidungsstück von grobem, dunklem Tuch, unter dem die jugendliche Gestalt ganz unkenntlich und unförmlich wurde. Jetzt wandte sich Anna, und da sie den Baron noch immer stehen sah, wollte sie mit einer flüchtigen Neigung des Kopfes an ihm vorüber.
Mit einem hastigen Schritte war er an ihrer Seite.
»Darf ich Sie um eine Gnade bitten?« fragte er.
Erstaunt, beinahe erschreckt, blickte sie auf.
»Wollen Sie meinen Wagen benutzen, damit er Sie nach Haus bringt?«
Nun erschrak sie wirklich.