Von ihm geleitet stieg das junge Mädchen die Treppe hinab; die Köchin folgte hinterdrein.
Vor der Hausthür stand ein verdecktes Coupé mit einem mächtigen Pferde bespannt; zwei strahlende Wagenlaternen warfen ihr Licht in die Straße hinaus.
Anna wich beinahe zurück – in solch' eleganten Wagen sollte sie sich hineinsetzen?
Der Baron aber hatte bereits den Schlag geöffnet und bot ihr die Hand zum Einsteigen. Indem er ihre Hand ergriff, zog er sie an die Lippen, und sie fühlte, wie er den Mund darauf preßte, einmal, zweimal, leidenschaftlich.
»Leben Sie wohl,« sagte er leise, »leben Sie wohl, ich sehe Sie wieder? Nicht wahr, ich sehe Sie wieder?«
Anna war keiner Antwort fähig. Wie in Betäubung stieg sie in den Wagen und sank in eine Ecke, nach ihr kam die Köchin, die sich gesperrt und geweigert hatte, und erst auf ein »nur zu« des Barons sich zum Einsteigen entschloß.
Der Baron ließ sich Straße und Hausnummer angeben, rief sie dem Kutscher zu, und im nächsten Augenblick rasselte der Wagen von dannen.
In ihren Mantel gewickelt saß Anna da und fragte sich, ob das alles ein Traum sei, was sie erlebte.
Für gewöhnlich reichten ihre Mittel gerade zu einer Fahrt auf der Pferdebahn – und jetzt sauste sie durch die Straßen von Breslau, daß das Pflaster unter den Rädern knatterte!
Die Köchin, die ebenfalls ganz sprachlos vor Staunen gewesen war, hatte angefangen, mit tastenden Händen den Stoff der Polster zu untersuchen, auf denen sie saß. Jetzt seufzte sie in Bewunderung auf.