Und er schob die Hände, indem er sie zu Fäusten ballte, in die Taschen seines Ueberziehers zurück, weil er sich überzeugt hatte, daß der Baron vorläufig nichts weiter Gefährliches unternahm.
Am nächsten Vormittag, und zwar am ziemlich frühen Vormittag, klingelte es an der Wohnung von Annas Onkel, und als die Köchin öffnete, ging ein verständnisvolles Grinsen über ihre Züge; der Herr von gestern stand vor der Thür, der Baron Eberhard von Fahrenwald.
Ein sprachloses Erstaunen bei dem Onkel und der Tante, ein glühendes Erröten bei Anna – und im nächsten Augenblick, noch bevor man ihn eigentlich hereingebeten hatte, stand er schon auf der Schwelle. Auch wenn man ihn abgewiesen hätte, er würde sich nicht haben abweisen lassen, das sah man ihm an. Seine Brust ging auf und nieder, und in dem bleichen Gesicht glühten die Augen wie Kohlen.
Beinahe wie ein Spieler, der das letzte Geld auf eine Karte gesetzt hat, so sah er aus.
Es kostete ihn Mühe, die äußerlichen Regeln der Höflichkeit innezuhalten; seine Blicke hingen an Anna, unverwandt, beinahe mit angstvollem Ausdruck, als fürchtete er, daß sie hinausgehen, daß sie ihm entfliehen könnte.
Nachdem er den alten Major und dessen Frau begrüßt hatte, trat er auf das junge Mädchen zu.
»Darf ich Sie sprechen?« fragte er. »Darf ich Sie allein sprechen?«
Seine Stimme war heiser vor innerer Erregung.
Anna stand gesenkten Hauptes mitten im Zimmer. Herz und Kehle waren ihr durch die Angst wie zugeschnürt; sie hatte in diesem Augenblick die sichere Empfindung, daß sie es mit einem Wahnsinnigen zu thun hatte. Etwas Aehnliches schienen auch der Onkel und die Tante zu empfinden, die sich gegenseitig stumm fragend ansahen.
Der Baron bemerkte das alles. Plötzlich ging er auf die beiden alten Leute zu, streckte beide Hände aus und faßte den Onkel an der linken, die Tante an der rechten Hand.